• Fabian Kremser

Teil I: Big Data - Big Brother?


Das Ziel jedes Trainings ist es, die persönlichen Fertigkeiten zu verbessern. Dabei spielt es keine Rolle ob man sich auf einen Marathon vorbereitet oder den «Winter» der vier Jahreszeiten von Vivaldi einwandfrei auf der Violine spielen möchte. Im Sport reden wir hier oft davon, die eigene Leistung zu steigern. Doch was bedeutet das eigentlich?

Vor einiger Zeit wurden der Welt des Ausdauersports erstmals tragbare Geräte vorgestellt, mit denen die individuelle Herzfrequenz während der Belastung gemessen werden konnte. Trainer auf der ganzen Welt sassen auf einmal brütend über Diagrammen und Kurven, werteten die Daten aus und analysierten sie. Die Horizonte erweiterten sich schlagartig und ein neuer Standard wurde gesetzt.

Als ich vor nun gut 17 Jahren mit dem Triathlon begann, war eine einfache, meinen Puls anzeigende Sportuhr das Höchste der Gefühle. Mit einem Computer verbinden konnte ich sie noch nicht, geschweige denn die vorhandenen Daten im Detail auswerten, was bedeutete, dass ich über den Daumen gepeilt so trainierte, wie ich es anhand von Feldtests ermittelte.

Nicht lange, da wurde die Leistungsdiagnostik ebenfalls einem breiteren Publikum geöffnet. Mit Laktatstufentests im Labor wurde den Sportlern aufgezeigt, was es mit strukturiertem Training nach definierten Bereichen auf sich hatte, und erneut weiteten sich die Horizonte aus.

Als nächstes machten auf einmal Leistungsmesser für Fahrräder die Runde. Der Name «SRM» wurde zum Synonym für Wattorientiertes Training, und die damals noch äusserst kostspieligen Geräte lieferten denen, die es sich leisten konnten, erstmals eine Definition für den Begriff «Leistung»: die Kraft, welche ein Athlet / eine Athletin auf die Pedale brachte, wurde in Form von Watt auf einem Bildschirm angezeigt.

Von da an entwickelte sich die Datenerfassung im Sport dermassen schnell, dass die Neuigkeiten fast im Wochentakt auf den Markt geflutet wurden.

Die Sportuhren und deren Funktionen machten riesige Fortschritte – für einmal ein Effekt der sozialen Medien, den man durchaus als positiv bezeichnen kann. Jede noch so simple Uhr ist unterdessen in der Lage, eine Verbindung mit einem Smartphone herzustellen. Live-Tracking über diverse Apps ist möglich und die etwas komplexeren Modelle liefern ausserdem sehr akkurate Daten zu Dingen wie Schrittfrequenz, Bodenkontaktzeit, Vertikale Bewegung (beim Laufen) und je nach Gerät am Fahrrad Informationen zur Trittfrequenz, der erbrachten Leistung, Geschwindigkeiten und so weiter. Kurz: die meisten Athletinnen und Athleten haben heute kleine Computer an ihren Handgelenken, die einem nahezu alle Informationen liefern, die man sich nur wünschen könnte. Nur: was tut man damit?

Natürlich stellt sich auch die Frage der Verantwortung. Denn: die gesammelten Daten befinden sich ja nicht ausschliesslich auf dem eigenen, vom Netz abgekoppelten Computer.

Ein regelmässig Sport treibender Mensch ist heute auf im Durchschnitt auf mindestens zwei, meistens eher drei oder mehr sozialen Plattformen angemeldet, auf denen die einzelnen Trainings dokumentiert und dargestellt werden. Beginnend mit dem noch relativ privaten Account auf dem Portal der jeweiligen Sportuhr wie z.B. Garmin Connect oder Suunto Moves Count geht es über Strava, Runtastic, Wikiloc und wie sie sonst noch alle heissen. Selbst bei abgeriegelten Plattformen wie Training Peaks, welche auch ich für mein Coaching verwende, gibt es die Möglichkeit, seine Trainings direkt auf den sozialen Plattformen zu teilen.

Was vordergründig eine Möglichkeit ist, sich unabhängig von Zeit und Raum mit anderen Sportlerinnen und Sportlern zu vergleichen, bedeutet gleichzeitig aber auch, dass nicht nur unsere Bewegungen im Internet frei zugänglich sind, sondern auch unsere gesamten physiologischen Funktionen dabei.

Es lohnt sich also, sich ab und zu einmal Gedanken darüber zu machen, was man denn eigentlich für Ziele verfolgt und dass man auch sein Equipment danach ausrichtet.

Mit dem Beginn des Frühlings steht auch eine neue Outdoor-Saison vor der Tür. Aus diesem Anlass werde ich in den nächsten Beiträgen diese ganzen Gadgets, Trainingshilfsmittel und teils auch Spielzeuge aus dem Auge eines Coaches und Trainers betrachten. Ich wünsche dabei gute Unterhaltung!

Herzlich,

Fabian


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