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  • Fabian Kremser

Teil II: Sinn und Unsinn


Oder: Was bringt eine Sportuhr?

Wie in meinem letzten Beitrag bereits angekündigt möchte ich mich hier in der nächsten Zeit ein wenig mit Sport-Gadgets, Hilfsmitteln und Spielzeugen auseinandersetzen. Beginnen möchte ich mit einem Thema, welches mir auch in meiner Tätigkeit als Coach immer wieder begegnet: die Sache mit den Sportuhren.

Zunächst einmal: was IST eine Sportuhr? Es gibt unterdessen so unendlich viele Geräte auf dem Markt, die alle fantastisch sind, dass man sich zu Beginn einmal fragen muss: worum geht es hier überhaupt? Denn: mit der AppleWatch und den verschiedenen SmartWatches von Marken wie Samsung und dergleichen ist es nicht ganz einfach auszumachen, was hier was ist. Die Uhr von Samsung zum Beispiel, die perfekt mit jedem Galaxy-Gerät zusammen funktioniert. Elegant, ja edel besitzt sie die Fähigkeit, rund um die Uhr die Herzfrequenz zu messen und sogar die Art und Weise zu erkennen, auf die man sich gerade bewegt, mit Hilfe von GPS auch WO man sich bewegt. Gleichzeitig kann man über sie Telefonate annehmen, Nachrichten lesen und sich auch mit verschiedenen, sozialen Netzwerken verbinden. Sämtliche Daten werden im «Hauseigenen» Programm gesammelt und ausgewertet und es stehen mannigfaltige Möglichkeiten zur Verfügung, die Informationen noch zu ergänzen. Man kann die zu sich genommenen Kalorien erfassen, den Schlafrhythmus messen, und, und und… doch ist sie eine Sportuhr?

Sehen wir uns daneben einmal eine Uhr der Marke Garmin an. Die neueren Generationen haben ebenfalls die Fähigkeit, sich über Bluetooth mit einem Smartphone zu verbinden und Nachrichten sowie Anrufe anzuzeigen. Auch verfügen sie über GPS – Garmin war eine der ersten Firmen, welche diese Technologie der Welt des Sports zugänglich machte. Rein vom Design her sind diese Uhren ganz klar in der Welt des Sports angesiedelt – nicht selten werden sie sogar genau zu diesem Zweck zur Schau gestellt. Wo also ist der Unterschied?

Meiner Meinung nach liegt der entscheidende Unterschied ganz klar darin, dass die spezifisch für den Sport entwickelten Uhren in erster Linie dazu da sind, Daten WÄHREND des Sports zu erfassen. Man kann seine Strecken aufzeichnen, teils dann gegen sich selbst antreten, seine Herzfrequenz verfolgen und auch sonst je nach Zusatzgerät eine Menge an ergänzenden Parametern auf den Bildschirm holen, die einem dabei helfen können, die sportliche Leistung zu verbessern. Tatsächlich verbessern – wenn man denn weiss, was mit den Daten anzufangen ist.

Die Auswertung findet auch bei Garmin, Suunto, Polar und wie sie alle heissen heutzutage in einem Online-Portal statt. Man erstellt sich einen Account und kann dort die Daten synchronisieren, analysieren, exportieren. Doch kann man gleichzeitig auch ganz klar entscheiden, wer diese Daten alles zu Gesicht bekommt. Weder wird automatisch mit sozialen Netzen verbunden noch sind die Daten öffentlich einsehbar, sofern man sie nicht freigibt.

Bei den als «Smartwatches» deklarierten Uhren verhält sich dies per Grundeinstellung anders – die gesammelten Daten sind alles andere als privat. Und für das tatsächliche Training eignen sie sich eher schlecht…

In den letzten Monaten haben auch die grösseren Marken von Sportuhren begonnen, auf den Zug der Smartwatches aufzuspringen. Die Funktionen erweitern sich rasant und praktisch jeder Hersteller warf im letzten halben Jahr eine Uhr auf den Markt, welche die Herzfrequenz am Armgelenk messen kann (Was für ein tatsächliches Training leider bei weitem nicht zuverlässig genug ist, zu aussagekräftig zu sein – ich kann solches für das Training also nicht empfehlen). Nachrichten kann man sich ebenfalls anzeigen lassen und die Verbindung mit einem Smartphone oder auch direkt mit dem Internet ist Standard.

Die Frage, die sich hier also stellt ist: Braucht man sowas? Und wenn ja – WAS?

Als Coach und Trainer bin ich stets sehr darauf bedacht, mich mit diesen Geräten auseinanderzusetzen und sie, wenn möglich, auch auszuprobieren. So kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass es hier zwei Ansichten gibt, die meiner Meinung nach richtig sind.

So sollte man sich zu Beginn fragen, was man denn mit dem Sport überhaupt möchte. Verfolgt man ganz einfach das Ziel, Freude an der Bewegung zu haben und fitter zu werden, vielleicht mal den einen oder anderen Volkslauf zu bestreiten, etwas Gewicht zu verlieren… dann würde ich sagen, dass man eine Sportuhr nicht unbedingt benötigt. Der Körper sendet genügend Signale, damit man selbst merkt, ob man sich in Bereichen bewegt, die der Fitness zuträglich sind oder eben nicht.

Verfolgt man jedoch ein spezifisches Ziel, so bin ich der Ansicht, dass der Erwerb einer Sportuhr ein unumgänglicher, vielleicht sogar erster Schritt ist, den man unbedingt machen sollte. Denn: Egal, ob es ein Marathon, ein Triathlon oder sogar die Qualifikation für den Ironman Hawaii ist, die man sich zum Ziel setzt: ohne zu wissen, was während dem Sport im Körper passiert, riskiert man schnell, etwas zu zerstören oder falsch zu machen. Natürlich ist es dazu nötig, dass man auch weiss, was mit den gesammelten Daten anzufangen ist, doch gibt es genügend kompetente Trainer und Coaches, die einem genau dies beibringen können. Man erfährt sehr viel über seinen Körper während des Sports und beim gezielten Training ist es ein ganz essentieller Part, sich mit diesen Funktionen und Reaktionen auseinander zu setzen.

Dann kann es sogar Sinn machen, die eigene Herzfrequenz einmal rund um die Uhr aufzuzeichnen, sogar während des Schlafes – solche Daten können für den gesundheitlichen Aspekt des Sportes Gold wert sein.

Für viele gibt es einen Mittelweg – die Sport-Apps. Es ist natürlich eine tolle Sache, dass man auch Herzfrequenz-Gurte mit einem Telefon koppeln und dann ganz einfach via App trainieren kann, während man zeitgleich seine Lieblingsmusik hört und darüber live auf Facebook berichten kann.

Doch hier muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich alles andere als begeistert bin von diesen Funktionen. Da ist zum einen die Tatsache, dass der Fokus sehr schnell nicht mehr beim Sport selbst liegt, sondern auf der Selbstdarstellung – eine Motivation, welche für Übertraining eine der häufigsten Ursachen darstellt. Man teilt seinem gesamten sozialen Umfeld mit: Ich treibe Sport. Ihr nicht. Persönlich finde ich solche Aussagen nicht sehr sportlich, sondern höre sie am liebsten in einem Korkator-Lied.

Das ist jedoch nur ein Teil des Ganzen. Der ganze Selfie-Kult mit LiveTracking hat noch eine ganz andere Komponente. Denn: es gibt wohl kaum eine einfachere Möglichkeit, der Welt mitzuteilen, dass man für die nächste halbe Stunde oder Stunde nicht zuhause sein wird…

Natürlich mag dies etwas paranoid klingen, doch wenn man in die Rechnung mit einbezieht, wie viele Facebook-Accounts im letzten halben Jahr gehackt wurden, sollte man nicht allzu leichtfertig mit solchen Dingen umgehen.

Abschliessend kann ich folgendes sagen: Eine Sportuhr macht dann Sinn, wenn ihr auf ein Ziel trainieren und dabei gesund bleiben möchtet. Sie kann auch viel Freude bereiten, wenn man zum Beispiel seine eigenen Fortschritte sehen kann. Doch sollte sie meiner Meinung nach ein Mittel zum Zweck sein – und nicht der Fokus des Sports, verbunden mit den sozialen Netzwerken.

Treibt Sport um des Sportes Willen – und geh verantwortungsbewusst mit euren Daten um!

In meinem nächsten Beitrag werde ich darauf eingehen, was genau man mit diesen Uhren tun kann: wir werden uns über Leistungstest und -Diagnostik unterhalten.

Bis dahin wünsche ich euch einen schönen Frühlingsanfang!

Herzlich,

Fabian


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