• Fabian Kremser

Unser Stoffwechsel und die grossen Energien

Fette, Proteine, Kohlenhydrate: Denken wir ans Essen, also die Nahrungsaufnahme, sind in den meisten Fällen diese drei Bestandteile gemeint. Heute sollen sie bei uns einmal ganz im Zentrum stehen.

In unserem letzten Artikel haben wir sehr allgemein über den Stoffwechsel geschrieben und dort, hoffentlich, auch einige Fragen aufgeworfen. Heute greifen wir als erstes das Thema der Makronährstoffe auf, da es nicht nur sehr zentral ist, sondern auch oft ein wenig verzerrt wahrgenommen wird.


So ranken sich zum Beispiel die meisten, gängigen Ernährungstrends, -Ideen und -Mythen in erster Linie um die drei Nährstoffe Fette, Kohlenhydrate und Proteine. Um ein paar Beispiele zu nennen:


- Man sollte unbedingt Fett vermeiden, da es dick macht.

- Man sollte unbedingt Kohlenhydrate vermeiden, weil sie dick machen.

- Zucker ist schlimmer als Kokain.

- Die ketogene Ernährung ist die Gesündeste überhaupt.

- Fertignahrung kann auch gesund sein.

- Mangelernährung ist Propaganda der Pharma-Industrie.

- Und so weiter…


Natürlich haben wir uns hier sehr bewusst einige der provokantesten Aussagen herausgesucht, doch sie zeichnen am Ende ein relativ umfassendes Bild davon, wie es rund um das Thema "Ernährung" und vor allem "gesunde Ernährung" aussieht: extrem verwirrend und vor allem sehr polarisierend.


Leider haben alle diese Aussagen eines gemeinsam: sie konzentrieren sich jeweils immer nur auf einen Aspekt der Ernährung und verbinden diesen auf die eine oder andere Art an einem der grossen Nährstoffe. Das führt dazu, dass man keine dieser Aussagen als wirklich falsch bezeichnen könnte:


- Ja, zu viel Fett in der Nahrung kann dazu führen, dass man an Gewicht zunimmt.

- Das gilt auch für Kohlenhydrate – haben wir zu viel davon, legt sie der Körper gerne einmal "für später" zur Seite.

- Raffinierter hat Zucker in der Tat die Eigenschaft, in unserem Gehirn ähnliche Dinge auszulösen wie harte Suchtmittel, doch gibt es nicht nur "den Zucker", sondern mehrere, verschiedene Arten, wie auch bei den Kohlenhydraten.

- Für gewisse Menschen ist ketogene Ernährung tatsächlich die beste Variante unter vielen, doch ist das am Ende bei den wenigsten der Fall.

- Es stimmt, dass in unseren Breitengraden im Verhältnis relativ weniger Menschen Hunger leiden, doch ist ein voller Magen nicht das Gleiche wie "gut ernährt".

- Und so weiter…


Ohne auf jeden einzelnen Punkt einzugehen können wir sagen, dass es zwar für unsere westliche Gesellschaft Richtlinien für "gute" und "gesunde" Ernährung gibt, es am Ende jedoch immer von mehreren Faktoren abhängig ist, welche Art der Ernährung für wen die beste ist.


Was jedoch immer im Zentrum stehen sollte, ist die Frage der Notwendigkeit.


Der Mensch braucht die Makronährstoffe, um aus ihnen Energie zu gewinnen. Damit wären wir wieder bei der Funktion des Stoffwechsels: wir brauchen Energie für Muskelarbeit, die Erhaltung unserer lebenswichtigen Körperfunktionen, die Bewegung, den Sport…


Als erstes sollten wir also die Frage stellen, welchen Bedarf ein Mensch denn hat, wenn es um die Ernährung geht. So wird es bereits bei der reinen Energie, die man pro Tag als Basisbedarf hat, enorme Unterschiede geben zwischen beispielweise einem Ausdauersportler und jemandem, der / die den Grossteil des Tages sitzend im Büro verbringt.

Während das den meisten noch einleuchtet, wird es allerdings sofort komplexer: diese Unterschiede können auch zwischen zwei Büroarbeitern bestehen, zwischen zwei Sportlerinnen, sogar zwischen zwei Athleten, die an sich fast die gleichen Trainingsvoraussetzungen haben.

In diesem Augenblick spielen dann auch Dinge wie die Genetik eine Rolle, wie unsere Zellen funktionieren und, natürlich, wie wir uns generell ernähren, da diese Dinge unweigerlich miteinander verbunden sind.


Daher ist es, einmal mehr, alles andere als einfach, anhand genereller Annahmen und auch Tatsachen jemandem zu erklären, wie sie oder er sich am besten ernähren sollte. Wir gehen mit einigen Ideen durchs Leben, die einer genaueren Überprüfung schlicht nicht standhalten.


Zum Beispiel die Tatsache, dass es keine "schlechten" Kalorien gibt. Natürlich fällt das wieder in exakt die gleiche Kategorie wie die zuvor genannten Punkte: eine Kalorie an sich kann weder gut noch schlecht sein, sie zählt lediglich den Energiewert eines Nahrungsmittels. Es ist jedoch alles andere als zuverlässig zu behaupten, dass die Menge an Kalorien der einzige, entscheidende Faktor für das Gewicht oder die Leistungsfähigkeit ist.

Ein weiterer Punkt ist das Gespenst der "ausgewogenen Ernährung", von dem man gerne spricht, am Ende jedoch keine wirkliche Idee davon hat, was der Begriff überhaupt bedeutet. Man vermutet, dass man einfach mehr Obst und Gemüse essen sollte, doch ob das am Ende den gewünschten Erfolg bringt, ist mehr als nur fraglich.

Ebenso verhält es sich mit der Annahme, dass wir im Ruhezustand fast nur oder sogar ausschliesslich Fette verbrennen: wenn unsere Zellen nicht entsprechend arbeiten und funktionieren (dazu mehr in den kommenden beiden Artikeln) kann es durchaus vorkommen, dass das Fett einen nur sehr geringen Anteil an der verbrauchten Energie hat und sogar, in Ausnahmefällen, tatsächlich gar keinen.

Sofort sind wir beim Sport: auch hier hat sich in den letzten Jahren die Idee verbreitet, dass man im sogenannten "Grundlagenbereich" hauptsächlich Fette als Energiequelle nutzt und dies damit die perfekte Zone wäre, um Körperfett abzubauen und das Gewicht zu kontrollieren. Doch auch hier sehen wir regelmässig, dass diese Annahme nicht nur auf wackligen Beinen steht, sondern in der Realität oft sehr weit von den Tatsachen entfernt ist.


Es ist somit sehr schwer, allgemeine Aussagen zu den Makronährstoffen zu tätigen, die über ein wages "man braucht sie, und zwar in individuellen Mengen und Verhältnissen" hinausgehen.


Wir empfehlen hier, sich das ganz einfach einmal anzusehen. Man kann dies entweder mit einer tatsächlichen Analyse des Stoffwechsels tun, wie wir sie zum Beispiel in unserem Labor anbieten, oder ganz einfach einmal über den Selbstversuch: man wird schnell merken, ob und wie man auf bestimmte Nährstoffe, Mengen und auch verschiedene Formen davon anspricht.


Hat man hier einmal eine etwas genauere Vorstellung, kann man sehr einfach damit beginnen, die eigene Ernährung auch auf den eigenen Bedarf einzustellen, ganz frei von Trends, Halbwissen und Meinungen. Oder man lässt sich ganz einfach im Rahmen eines Coachings bei uns helfen: diese Dinge lassen wir in die Arbeit mit unseren Athletinnen und Athleten mit einfliessen und bieten sie auch als eigenständiges Ernährungs- und Gesundheitscoaching an.


Herzlich,


Patrick Benz

Fabian Kremser