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Gratwanderung "Wissen" 1: Brauchen wir Nahrungsergänzung?

Während wir uns in den letzten Artikeln mit eher allgemeinen Themen rund um die Gesundheit befasst haben, möchten wir nun den Februar mit einer Sache abschliessen die einerseits etwas spezifischer, andererseits auch ein wenig “heisser” ist als Andere. Wir begeben uns also dem fortschreitenden Jahr entsprechend auf dünnes Eis und sprechen über Nahrungsergänzung.

Warum dünnes Eis?


Es gibt wenige Themen im Bereich der Gesundheit die so kontrovers diskutiert werden wie das der Nahrungsergänzung. Von Pseudo-Wissenschaft über Meinungen, von Polarisierung hin zur Verdammung, es scheint als gäbe es wenig, was die Gemüter so sehr in Aufruhr versetzt wie nur schon die blosse Erwähnung von Nahrungsergänzung. “Das ist nicht so meins” ist da noch die moderateste Version einer Reaktion - und auch die häufigste. Heute fragen wir einmal ganz provokant: Warum denn nicht?


Oft wird die persönliche Ablehnung damit begründet, dass man ja “wisse”, was man brauche, dass man “wisse”, was einem gut tue und dass “allgemein bekannt sei”, dass “so etwas” von niemandem gebraucht werde.


Diametral dazu steht, dass es oft genau diese Menschen sind, die beim ersten Zeichen eines Schnupfens  zur Apotheke rennen, sich mit Vitamin-C und dergleichen eindecken und anschliessend der Welt erklären, dass “man top versorgt sei” und deshalb “ein super Immunsystem” habe. Offenbar “weiss” man also, dass Vitamine dabei helfen, das Immunsystem zu stärken.


Unterdessen wird uns das ja auch von der Werbung suggeriert: dort macht man keinen Hehl mehr daraus, dass laut der neuesten Studien rund die Hälfte aller Bürger Deutschlands einen Mangel an gewissen Vitaminen haben. Und gibt es Werbung dafür, muss es ja gut sein… oder?


Wir sehen das Problem in erster Linie in der Tatsache, dass Nahrungsergänzung oft und gerne falsch verstanden wird. Um dies zu erklären, holen wir uns einmal mehr eine allgemeine Definition des Begriffes zur Hilfe:


“Nahrungsergänzungsmittel sind Produkte zur erhöhten Versorgung des menschlichen Stoffwechsels mit bestimmten Nähr- oder Wirkstoffen im Grenzbereich zwischen Arzneimitteln und Lebensmitteln.”


Quelle: Wikipedia


Nehmen wir diese Definition als Basis und gehen mit ihr Schritt für Schritt durch das Thema. Wir beginnen mit der “erhöhten Versorgung des menschlichen Stoffwechsels”.


Habt ihr selbst schon einmal Situationen erlebt, in denen ihr auf einmal Heisshunger hattet, euch ganz stark nach einem bestimmten Nahrungsmittel gesehnt habt oder einfach unbedingt ein Stück Schokolade brauchtet?


So oder so ähnlich ist es wohl schon allen einmal ergangen und die Reaktion war darauf in den meisten Fällen, dass man den Heisshunger irgendwie stillte, sich den Kebab an der Strassenecke holte oder dass man das Stück Schokolade eben einfach ass. Aus irgendeinem Grund hatte der Körper auf einmal einen erhöhten Bedarf an… ja, woran denn eigentlich?


Bei der Ernährung unterscheiden wir in grossen Gruppen zwischen Makro- und Mikronährstoffen. Makronährstoffe sind Fette, Proteine und Kohlenhydrate, also Dinge, die wir - relativ - schnell in Energie umwandeln können. Bekommen wir Hunger, fehlt es meist an genau solchen Makronährstoffen. Wir haben also auf einmal einen erhöhten Bedarf - und decken diesen dann, indem wir, ganz brachial gesagt, mit Schokolade “ergänzen”. Wir haben uns bewusst für diese Formulierung entschieden.


Denn: Gefühle wie Hunger oder Schwäche durch niedrigen Blutzucker sind den meisten bekannt. Wir fragen uns jedoch nur in den seltensten Fällen, WIE die nötige Energie denn überhaupt im Körper umgesetzt wird…


Hier kommen wir zu den Mikronährstoffen. Dieses Thema ist um ein Vielfaches komplexer, nicht zuletzt, weil es noch immer relativ unerforscht ist. (Relativ. Bitte nagelt uns nicht an dem einen Wort fest). Es gibt eine helle Vielzahl an Mikronährstoffen: Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Antioxidantien… die Liste ist lang und umfangreich. Und während das alleine schon komplex genug ist, kommt erschwerend hinzu, dass viele dieser Nährstoffe voneinander abhängig sind. Hier kommen wir zu einem weiteren Teil der Definition: die “bestimmten Nähr- oder Wirkstoffe”.


Der Begriff “Wirkstoff” ist uns eher aus der Medizin bekannt als aus der Ernährung, doch ist genau hier einer der ganz grossen Knackpunkte. Es gibt einige Mikronährstoffe, die erwiesenermassen eine therapeutische Wirkung haben, teils auch erst ab einer gewissen Dosierung. Dieser Sachverhalt würde sie, je nach im entsprechenden Land geltenden Regelungen, den Arzneimitteln zuordnen und damit verschreibungspflichtig machen. Nun ist es allerdings so, dass in der Natur einfach vorkommende Stoffe nicht unter eben dieses Gesetz genommen werden können, zumindest in vielen EU-Ländern und der Schweiz nicht. Es besteht also ein Dilemma: die Produkte dürfen weder offen beworben noch verkauft werden. Gleichzeitig steht es allen frei, sie zu erstehen und einzunehmen, nur: wer sagt einem, in welchen Mengen dies geschehen soll? Hiermit wären wir beim letzten Teil der Definition angekommen, dem “Grenzbereich zwischen Arznei- und Lebensmitteln”.


Nicht nur haben einige der Nährstoffe in gewissen Dosierungen möglicherweise eine therapeutische Wirkung, könnten also als Arzneimittel eingesetzt werden, auch sind sie in einem Mass voneinander abhängig, dass es nahezu unmöglich ist zu bestimmen, wie viel man nun wovon tatsächlich braucht, was man nur bedingt braucht und was vielleicht sogar zuviel des Guten sein könnte.


Und damit sind wir bereits an dem Punkt angelangt, an dem das Wort “Wissen” so unendlich heikel wird. Wir “wissen” nun beispielsweise, dass zu viel Vitamin-E tatsächlich schädlich sein kann. So weit, so gut - nur, was ist “zu viel”, und wie stellt man das fest?


Natürlich kann man sein Blut testen lassen. Pauschal gesagt ist es jedoch so, dass der Blutkreislauf ohne Zweifel die wichtigste Transportbahn unseres Körpers ist und dass er dort zuletzt tatsächliche Mängel zulässt. Es ist also fraglich, ob man mit einem Bluttest tatsächlich feststellen kann, ob man von einem gewissen Mineral oder Vitamin zu wenig hat. Und selbst wenn, so kommt in dem Augenblick die unendliche Komplexität des Zusammenspiels der Nährstoffe zum Zug. Bleiben wir bei dem Beispiel Vitamin-E:


Es wurde festgestellt, dass Vitamin-E in direktem Zusammenhang steht mit den Nährstoffen Magnesium und Selen sowie mit den Vitaminen C und A. Um nun tatsächlich den Bedarf an Vitamin-E im Körper zu decken ist es also notwendig, dass diese anderen Nährstoffe ausreichend vorhanden sind. Und um es weiter zu verstricken: Nur schon Magnesium benötigt Kalium, Calcium und Phosphat um tatsächlich aufgenommen werden zu können, Vitamin-C dagegen braucht Calcium, Natrium, Magnesium, Eisen und Chrom sowie die Vitamine E (als Wechselwirkung), B5, B3, B2, B6, B1, A, B12 und Folsäure. Und. So. Weiter.


(Quellen hierzu: Uli P. Burgerstein, Michael B. Zimmermann und Hugo Schurgast: "Burgersteins Handbuch der Nährstoffe", TRIAS-Verlag, ISBN-13: 978-3830421948 / Dr. Med. Petra Wenzel: "Die Vitalstoffentscheidung", Maya-Media-Verlag, ISBN-13: 978-3980957311 / Hans Dietl, Gerhard Ohlenschläger: "Handbuch der Orthomolekularen Medizin", Karl F. Haug Fachbuchverlag, ISBN-13: 978-3830406273)


Es ist ein unglaublich komplexer Tanz, der von einem vielstimmigen Orchester begleitet wird. Und wie auch dort wird man immer nur das Fehlen - den Mangel - desjenigen “Instrumentes” feststellen, nach dem tatsächlich gesucht wird. Zeigt ein Bluttest also womöglich geringe Eisenwerte, so muss das nicht zwingend heissen, dass der Körper zu wenig Eisen ZU sich nimmt - er nimmt es nur nicht AUF, was in diesem besonderen Fall nun daran liegen kann, dass vielleicht zu wenig Vitamin-C vorhanden ist. Oder Vitamin-B12, da dieses ja mit Vitamin-C zusammenhängt. Oder Folsäure. Oder… oder…


Wir wollen hiermit nicht sagen, dass Bluttests nichts bringen, im Gegenteil. In Bezug auf die Nahrungsergänzung wollen wir nur darauf aufmerksam machen, dass das Thema etwas umfangreicher ist, als es gerne einmal dargestellt wird. Und dass das Wort “wissen” in diesem Zusammenhang nicht immer ganz angebracht ist. Ja, wir “wissen”, dass wir Vitamin-C brauchen, um im Winter gesund zu bleiben - wieso dem so ist, “wissen” wir im Einzelfall jedoch nicht. Also berufen wir uns auf eine Meinung - im Idealfall die eigene, hat man keine, bietet das Internet eine grosse Auswahl.


Wir wollen hier der Frage auf den Grund gehen, ob “wir” Nahrungsergänzung brauchen. Was wir, also die Coaches Patrick und Fabian, empfehlen können ist, sich folgende Frage zu stellen: Wenn mein Körper einen erhöhten Bedarf an Energie (also Makronährstoffen) hat, sei dies durch Sport, Stress, Krankheit; könnte es dann nicht auch sein, dass er einen erhöhten Bedarf an den Dingen hat, die uns die Nahrung am Ende aufnehmen lassen?


Pauschal wollen wir vor allem zwei Dinge klarstellen. Erstens: Auch wenn sich die Nahrungsergänzung per “offizieller” Definition zwischen Arznei und Lebensmitteln bewegt, so sollte sie NIE, wirklich NIE als Medizin angesehen, angepriesen oder verwendet werden. Wenn euch etwas fehlt, geht zum Arzt. Egal was das Internet euch sagt, ihr werdet eine virale Bronchitis nicht mit Vitaminen heilen können. Die Vitamine können dabei helfen, schneller gesund zu werden und, präventiv, zu bleiben, doch sind sie keine Medizin. Das ist letzten Endes auch der Grund, weshalb euch ein Arzt im Krankheitsfall kaum einmal ein Vitamin “verschreiben” wird: es ist keine Medizin. Punkt.

Zweitens: Wir sprechen hier über “Ergänzung”, nicht über “Ersatz”. Es spielt letzten Endes keine Rolle, wie viele Vitamine und Spurenelemente man täglich zusätzlich zu sich nimmt, wenn man gleichzeitig ausschliesslich Mikrowellenessen und Fertiggerichte konsumiert, wird es nichts nutzen.


Brauchen wir also Nahrungsergänzung?


Wir können euch so viel sagen: beide Coaches konsumieren seit längerer Zeit Nahrungsergänzungsmittel. Wir nehmen verschiedene Produkte von verschiedenen Anbietern. Wir nehmen das, was uns individuell am meisten zusagt und gut tut. Und wir stehen voll und ganz dahinter.


Was euch persönlich angeht, so können wir nur so viel sagen: wir wissen es nicht und es wäre nicht ehrlich euch zu vermitteln, dass “ihr” Nahrungsergänzung braucht. Probiert es aus. Wir helfen euch auch gerne dabei, wenn ihr nicht wisst, was und wie.


In diesem Sinne: auf in den März!


Herzlich,


Patrick

Fabian

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