• Fabian Kremser

Just. Breathe.

Einfach. Atmen.


Das sagt sich sehr leicht, nicht? Doch die meisten wissen: der Rat, einfach mal "tief durchzuatmen" ist meist in erster Linie gut gemeint. Wir wollen uns heute darüber unterhalten, weshalb er mehr ist als das!

Was glaubt ihr, welchen Einfluss eure Atmung auf euren Alltag hat? Auf eure… Stimmung? Energie? Leistung? Euren Stoffwechsel?


Tatsächlich sind wir uns sehr selten bewusst, was wir alles mit der Atmung positiv (und leider auch negativ) beeinflussen können. Und warum auch? Die Atmung… passiert ja einfach, oder?


Im Idealfall ist das tatsächlich so. Unser Körper holt sich den Sauerstoff, den er braucht, ganz einfach und per Reflex. Zwar wissen wir alle, dass es sich hin und wieder ganz gut anfühlt, einmal einen tiefen, langen Atemzug voll frischer Luft zu nehmen, doch mal ehrlich: wie oft nehmen wir uns diese Zeit? Auch wenn es nur einige Sekunden sind? Und noch weiter: wie oft konzentrieren wir uns beim Sport auf unsere Atmung? Wie oft im Alltag?


Vielleicht müssen wir an dieser Stelle ein wenig ausholen. Warum atmen wir denn überhaupt? Und: was passiert dabei genau?


Kurz gesagt atmen wir, um unseren Körper mit dem notwendigen Sauerstoff zu versorgen. Etwas genauer ausgedrückt geht es bei der Atmung darum, mittels äusserer Atmung (auch: Gasaustausch, Ventilation) die Atemluft in unsere Zellen zu holen, wo sie im Rahmen der inneren Atmung (auch: Zellatmung) in den sogenannten Mitochondrien für Stoffwechselvorgänge steht, bei denen Sauerstoff verbraucht und Kohlendioxid erzeugt wird.


Kompliziert?


Es wird noch besser: Dadurch, dass bei uns Menschen zweierlei Systeme vorhanden sind, spielen unterschiedliche Faktoren eine unterschiedliche Rolle beim Gewinn und Verbrauch von Sauerstoff.


Das, was wir in der Regel als Atmung verstehen, bezieht sich auf die äussere Atmung, den Gasaustausch. Dabei wird die Lunge mit Atemluft gefüllt, die dann gefiltert und durch die Lungenbläschen oder Alveolen ins Blut weitergegeben wird. Diese Atmung oder Ventilation ist keine Leistung selbst, da unsere Lungen keine Muskeln besitzen. Stattdessen sind hier die Muskeln des Zwerchfells und zwischen den Rippen aktiv.


Im Blut dann wird die innere Atmung oder die Zellatmung aktiv. Hier ist es auch, dass wir die Begriffe der Aeroben und der Anaeroben Atmung finden: Bei der Aeroben Atmung wird Sauerstoff benötigt, um aus z.B. Fetten und Kohlenhydraten Energie zu gewinnen.

Bei der anaeroben Atmung ist der Sauerstoff nicht mehr im Spiel und es entstehen andere Stoffwechsel-Endprodukte.


Nun ginge es natürlich noch komplizierter, doch was wir vereinfacht aus diesen Informationen bereits nehmen können, ist Folgendes:


Durch Muskelaktivität füllen und leeren wir unsere Lungen, die unsere Zellen mit Atemluft / Sauerstoff versorgen. Je nach Stoffwechselvorgang kann dann in den Zellen entweder mit Hilfe von Sauerstoff Energie gewonnen werden – oder eben ohne.


In unseren Spirometrieuntersuchungen (z.B. Metabolic-Diagnostiken) messen wir diese beiden Vorgänge unter Belastung, was es uns ermöglicht, zum einen den Stoffwechsel unter Belastung sehr genau darzustellen, zum anderen aber auch die Anaerobe Schwelle nicht zu berechnen, sondern anhand der Atmung direkt zu messen.


Die dabei gemessenen Dinge können wir aktiv beeinflussen, da es sich dabei um Muskelaktivitäten und interne Funktionen auf der Mikroebene handelt.


Unsere Atmung, also die Ventilation, lässt sich trainieren wie jedes andere Muskelsystem auch. Je regelmässiger und tiefer wir atmen, desto mehr von unserem Lungenvolumen schöpfen wir aus und desto mehr Sauerstoff können wir liefern. Haben wir gesunde Lungen, kann dieser meist auch aufgenommen und verarbeitet werden.


(An dieser Stelle eine kleine Fussnote: Bei Probandinnen und Probanden, die unter Long-Covid leiden, ist dieser Gasaustausch beeinträchtigt. In mehreren Messungen konnten wir hier schon sehen, dass das reine Lungenvolumen ungemindert war, dass der Sauerstoff jedoch nicht bis in die Zellen kam).


Dieses Training kann auf verschiedene Arten stattfinden. Sei es, dass wir durch Atem-Meditationen lernen, den Fokus mehr auf den technischen Aspekt zu legen oder dass wir mit Hilfe von Atemtrainingsgeräten gezielt daran arbeiten: hier lässt sich bereits viel für die Ventilation tun.


Auf der Zellebene hingegen können wir dafür sorgen, dass unsere Lungen gesund sind und dass der Energieaustausch in den Zellen funktioniert. Hier gibt es diverse Aminosäuren und Nährstoffe, welche direkt an diesem Austausch beteiligt sind, was konkret heisst: unsere Ernährung hat einen Einfluss auf die Atmung unserer Zellen.


Just breathe…


Unsere Atmung hat einen direkten Einfluss auf das, was in unseren Zellen geschieht – und damit auf nicht mehr wie alles, was wir tun. Sind unsere Zellen gesund und leistungsfähig, sind es unsere Muskeln. Ist unsere Atmung tief und füllt das Potential der Lunge aus, haben unsere Zellen die Chance, genug Sauerstoff zu haben, um aerobe Arbeit zu leisten. Das hilft uns auch dabei, besser mit Stress umzugehen. Unsere Atmung kann uns also auch dabei helfen, uns zu erholen. Kommt genug Sauerstoff ins Blut und dann weiter in die Zellen, können diese mehr Fette verbrennen. Unsere Atmung kann uns also dabei helfen, mehr Fett zu verbrennen und damit unsere Ausdauer verbessern.


Tief durchzuatmen hilft uns, gesund, leistungsfähig und entspannt zu bleiben!


In unseren Diagnostiken messen wir sämtliche Aspekte deiner Atmung und können dir auch Inputs dazu geben, wie du diesen Teil deines Trainings optimieren kannst.


Wir freuen uns auf dich!


Herzlich,

Patrick Benz

Fabian Kremser