• Fabian Kremser

Labtalk 1: Körper und Stoffwechsel

Letzte Woche haben wir uns die Frage gestellt, wie es dazu kommen kann, dass Athletinnen und Athleten gerne einmal zu viel, zu hart und zu schnell trainieren. Heute wollen wir einen ersten Ausflug in die möglichen Hintergründe machen, indem wir uns dem Thema der Labordaten widmen. Heute plaudern wir aus dem metaphorischen Nähkästchen: willkommen zum „LabTalk“!

Wie in unserem letzten Artikel erwähnt beginnt unsere Diagnostik im Idealfall damit, dass wir den Körper wiegen, vermessen und anschliessend den Stoffwechsel ausserhalb der Belastung analysieren. Wozu könnte das gut sein?


Es stimmt, was man immer wieder liest: das Gewicht allein sagt noch nichts über den körperlichen Zustand eines Menschen aus. Ansonsten müssten Kraftsportler, Strong(wo)men und Martial Arts-Athletinnen und Athleten praktisch durchs Band gesundheitliche Probleme haben. Deren Body-Mass-Indexes, kurz BMI, befinden sich oft in Bereichen, in denen man ohne nähere Betrachtung von Übergewicht sprechen würde.


Aus diesem Grund wiegen wir nicht nur, sondern analysieren auch die Zusammensetzung des Körpers. Und hier finden wir oftmals bereits erste Anzeichen dafür, weshalb der so gewünschte Erfolg im Training ausbleibt: wird bei der Analyse zum Beispiel ersichtlich, dass eine Seite des Körpers deutlich mehr Muskeln aufweist als die andere, kann diese Disbalance bereits dazu führen, dass das Training nicht den gewünschten Effekt hat. Oder aber man erkennt, dass man trotz viel Sport mehr Körperfett mit sich trägt, als man denkt oder auch sieht: auch das kann sich auf den sportlichen Fortschritt und die Leistung auswirken.


Und damit sind wir bereits beim Stoffwechsel ausserhalb der Belastung angekommen. Wie kann es zum Beispiel sein, dass eine Athletin oder ein Athlet trotz vieler Trainingsstunden und vermeintlich guter Ernährung eher zu- als abnimmt?


An dieser Stelle lassen wir einmal alle Ideen zu gesunder und bedarfsgerechter Ernährung aussen vor und reduzieren die Nahrungsaufnahme auf die absolute Basis: wie viel Energie benötigt der Körper an einem durchschnittlichen Tag ausserhalb des Sports? Und: aus welchen Quellen bezieht er sie?


Rechnen wir ein wenig. Nehmen wir an, ein männlicher Athlet weist einen Grundbedarf von ca. 2000 kcal/Tag auf (dieser Wert bezieht sich auf den durchschnittlich aktiven Tag, nicht den Ruheumsatz). Die Analyse des Stoffwechsels ergibt nun, dass er diese 2000 kcal zu 75% aus Fetten und zu 25% aus Kohlenhydraten bezieht. In Mengen umgerechnet würde das heissen, dass er pro 24 Stunden jeweils ca. 165 Gramm Fett und ca. 116 Gramm Kohlenhydrate verbraucht.


Um den Stoffwechsel optimal zu nutzen, würde sich die Ernährung nun ebenfalls so zusammensetzen, zumindest, was die Balance der Nährstoffe angeht. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass er den Bedarf an Fetten vielleicht decken kann (wobei 165 Gramm eine grosse Menge ist), den an Kohlenhydraten jedoch deutlich übersteigt. Grund dafür sind schlicht unsere westlichen Essensgewohnheiten. Es ist hier nicht die Menge, die entscheidet, sondern das Verhältnis: der Körper verbrennt nie „entweder / oder“ sondern immer „sowohl als auch“.


So kann es dazu kommen, dass der Athlet selbst bei einem eher grossen Trainingsumfang und Kaloriendefizit nicht ab-, sondern sogar noch zunimmt: hat der Körper mehr Kohlenhydrate zur Verfügung, als er für den Erhalt des Körpers (Grundumsatz), den Sport und die Regeneration danach benötigt, wird er den Überschuss in Form von Körperfett abspeichern, da er genau weiss, dass im Training wieder mehr aktive Energie notwendig sein wird. Dass diese dann womöglich eine komplett andere Zusammensetzung hat, ist in dem Fall eher noch ein weiterer Tropfen in das gleiche Fass.

Wie kann es aber sein, dass man so etwas kaum bemerkt?


Unser Körper hat verschiedene Möglichkeiten, Fette einzuspeichern. Die primären Orte dafür sind der Bauch, die Beine und das Gesäss. Da zwei dieser Regionen gerade beim Triathlon permanent in Bewegung sind, sprich, in den Muskeln aktiv Kohlenhydrate in Form von Glykogen verbrannt werden, fallen diese Orte so gut wie nicht ins Gewicht. Was übrig bleibt sind die Stellen am Körper, die nicht permanent trainiert werden. Und das betrifft bei vielen die gesamte Rumpf-Region. Viszerale Fette sind hier ein definitives Problem (das Fett um die Organe) und auch die Hüften sind prädestiniert. Nicht zu vergessen die untere Bauchregion. All das kann dazu führen, dass sportlich höchst aktive Menschen teilweise deutlich höhere Körperfettanteile aufweisen, als man a) denken würde und manchmal auch b) noch gesund ist.


Natürlich geht das auch umgekehrt. Was wir ebenfalls immer wieder sehen ist, dass der Stoffwechsel viel mehr Kohlenhydrate benötigen würde, als man in der Regel zu sich nimmt. Dies hängt von verschiedenen Faktoren ab, einer davon ist der Sauerstoff-Umsatz. Liegt dieser in Ruhe so hoch, dass der Stoffwechsel aktiv darauf reagiert, kann dies dazu führen, dass wir trotz einer gut austrainierten Fettverbrennung im Sport im Ruhezustand fast ausschliesslich Kohlenhydrate verbrennen. Wenn wir bei der oben angewandten Rechnung als Beispiel bleiben und schlicht die Zahlen umkehren, sprich, die entsprechende Person nun 75% ihrer Energie aus Kohlenhydraten und 25% aus Fetten zieht, sehen die benötigten Mengen ganz anders aus: in diesem Fall kann der Bedarf an Fetten mit ca. 55 Gramm pro Tag wohl gedeckt werden, damit der Stoffwechsel jedoch seine Arbeit verrichten kann, bräuchte er dazu runde 349 Gramm Kohlenhydrate. Man kann sich vorstellen, wie die Portionen aussehen würden…


Diese Zahlen sind nicht nur für Sportlerinnen und Sportler essenziell. Auch im Bereich der Gesundheit kann es eine enorme Hilfe sein zu wissen, wie der Körper überhaupt arbeitet und wo man ansetzen kann, um das eigene Wohlbefinden zu verbessern. "Weniger Kohlenhydrate und mehr Bewegung" sind nämlich bei Weitem nicht immer die Antwort auf alle Probleme…


Hier setzen wir mit unseren Analysen an. Wir sind der Meinung, dass ein objektiver Blick auf und in den Körper ein guter Ausgangspunkt für jegliche Aktivität ist, ungeachtet der Ziele. Ob er dazu genutzt wird, im Alltag die Ernährung zu optimieren, das Gewicht zu managen oder sportliche Ambitionen zu erfüllen, ist einerlei: mit den Körper und dem Stoffwechsel beginnt es.


In unserem Labor bieten wir diese Analysen für CHF 50.- an, bei unseren Leistungsdiagnostiken sind sie ab den Metabolic-Tests mit inbegriffen. Falls ihr also gerne wissen möchtet, wie ihr aus eurem Körper, eurer Gesundheit und / oder eurem Sport das meiste herausholen könnt: hier findet ihr einen Ansatzpunkt, bei allem weiteren helfen wir euch gerne!


Wir freuen uns, von euch zu hören!


Herzlich,


Patrick Benz

Fabian Kremser