• Fabian Kremser

Labtalk 2: Energiebilanz

In unserem ersten Labtalk haben wir uns darüber unterhalten, welchen Einfluss der Stoffwechsel auf das Gewicht, die Leistung und die Gesundheit haben kann. Heute gehen wir einen Schritt weiter und sprechen über die Energiebilanz unter Belastung.

Zuerst müssen wir definieren, was wir mit „Belastung“ meinen. In diesem Fall bezieht sich der Begriff nicht zwingend auf Training im Spitzenbereich sondern vielmehr auf die Bewegung an sich: „Belastung“ kann demnach auch ein Spaziergang sein.


Beginnen wir beim Thema der Gesundheit. Hier wird der aktive Stoffwechsel oft zu einem Punkt der Missverständnisse, vor allem wenn es um das Gewichtsmanagement geht. Viele sitzen hier dem Irrglauben auf, dass man bei Bewegung automatisch Gewicht verliert. In der Realität sieht es dann oft ganz anders aus: man ackert sich ab, strengt sich an und merkt nach drei Wochen Verzicht, Muskelkater und Mühsal, dass man höchstens ein paar 100 Gramm verloren hat, wenn überhaupt. Fazit: bringt alles nichts.


Oder die umgekehrte Situation: man versucht verzweifelt, mehr Muskeln aufzubauen, mehr zu wiegen doch der Körper brennt sich mit gefühlten Hochtouren durch jede Kalorie, die man ihm irgendwie zuführt. Auch literweise Proteinshakes bringen nichts, das Krafttraining auch nicht. Was soll man also noch tun?


Beim Leistungssport sind diese Probleme durchaus ebenfalls vorhanden, wobei hier noch ein anderes dazu kommt, welches mit den besten Absichten leider oftmals mangelndem Training zugeschrieben wird: nach einer bestimmten Zeit des Sports steigt die Herzfrequenz an und man hat kaum noch genug Energie, um einen Fuss vor den anderen zu setzen.


In allen drei Fällen kann es helfen, sich einmal den Stoffwechsel anzusehen und wie er unter Belastung oder eben in Bewegung arbeitet.


Spätestens hier wird für uns in der Diagnostik sichtbar, weshalb man sich beim Körper nicht auf Durchschnittswerte, Wahrscheinlichkeiten und Statistiken verlassen sollte.


Machen wir einen kleinen Ausflug in die Welt der Schwellen. Das derzeit immer weiter verbreitete Modell der Funktionellen Schwelle, kurz FTP, hat sich in so rasend schneller Zeit dermassen weit etabliert, dass der Begriff selbst bereits zu einem Bonmot geworden ist. Wo man früher noch Laktatwerte miteinander verglichen hat, wird nun danach gefragt, bei wieviel Watt man denn seine FTP habe. Auch werden an ihr die Trainingsbereiche definiert.


So weit, so gut. In unserem Artikel vom 30.09. "Test vs. Diagnostik" haben wir bereits festgehalten, dass das unserer Meinung nach durchaus eine Methode ist, mit der man arbeiten kann. Gleichzeitig wird sie jedoch niemals mehr Auskunft darüber geben, WIE der Körper die entsprechende Schwellenleistung erbringen kann.


Die Landläufige Meinung ist, dass wir bei lockerem Sport, also wenig intensiver Bewegung, automatisch mehr Fett verbrennen. Diese Behauptung wird auch im Zusammenhang mit der FTP aufgestellt: der Bereich 2 (oder auch "Zone 2", "Easy", "GA1" genannt, eine einheitliche Bezeichnung existiert hier nicht) ist angeblich jener Bereich, in dem der Körper die meiste Energie aus Fett bezieht.

Ganz prinzipiell ist das auch nicht falsch, denn bei einem gut austrainierten Stoffwechsel ist das tatsächlich der Fall. Nur arbeitet der einzelne Körper eben nicht nach einem Prinzip oder einer Statistik, sondern nach eigenen, individuellen Regeln.


Auch wir ermitteln in unserer Diagnostik eine Schwelle, an der wir die Trainingsbereiche definieren. Diese Schwelle bezieht sich jedoch auf eine metabolische Funktion im Körper, namentlich auf die Atmung, und auf die motorische Aktion dahinter. Diese Schwelle, die sogenannte "Ventilatorische Schwelle 2", findet sich in den meisten Fällen sehr nahe oder teils sogar genau am gleichen Punkt wie die Funktionelle Schwelle, doch können wir mit unserer Methode gleich einige Dinge mehr ermitteln als nur die Leistung und einen berechneten Bereich: So sehen wir zum Beispiel, ob der Körper sich an dieser Schwelle bereits in einem anaeroben Bereich befindet – oder noch nicht, was ebenso möglich ist. Ausserdem können wir aufgrund unseres Testverfahrens sehr genau sagen, bei welcher Intensität der Körper welche Form von Energie am meisten und am nachhaltigsten verbrennt.


Wir sehen zum Beispiel, dass die meisten Athletinnen und Athleten bei weitem nicht in ihrem regenerativen- oder ersten Grundlagenbereich am meisten Fette verbrennen, sondern irgendwo zwischen dem ersten und dem zweiten: davor und danach ist es meist beträchtlich weniger.


Warum ist das wichtig?


Die Fähigkeit, Fett als Energiequelle zu nutzen hat am Ende einen wesentlichen Anteil daran, wie lange wir eine Leistung aufrecht erhalten können. Natürlich sind da noch andere Dinge mit im Spiel, doch auf die Energiebilanz bezogen ist die Gleichung relativ einfach: Der Körper verbraucht für eine bestimmte Leistung die Menge X an Energie (in Form von Kcal) pro Stunde. Je mehr von dieser Menge er aus Fetten beziehen kann, desto länger kann die Leistung erbracht werden, da unser Körper fast in jedem Fall sozusagen unendliche Reserven an Fett eingelagert hat.


Und die Kohlenhydrate?


Natürlich spielen auch die eine Rolle, allerdings eher eine begrenzende. Kohlenhydrate können wir durchaus in Form von Glykogen im Körper einspeichern und auch durch die Zufuhr von Kohlenhydraten wieder aufnehmen. Beides ist jedoch begrenzt möglich. Verbrauchen wir zu irgendeinem Zeitpunkt mehr Kohlenhydrate, als wir wieder aufnehmen können, ist es eine Frage der Zeit, bis wir die Leistung nicht mehr aufrecht halten können.


Egal ob im Sport oder bei gesundheitsfördernder Bewegung: die Energiebilanz spielt eine enorme Rolle, wenn wir mit unserem Körper arbeiten wollen. Je genauer wir wissen, wie der Körper sowohl in Ruhe als auch in Bewegung arbeitet, desto gezielter und effizienter können wir mit ihm arbeiten.


Deshalb ermitteln wir in unserem Metabolic-Diagnostiken nicht nur Schwellen und Trainingsbereiche, sondern sehen uns auch die direkten Stoffwechselfunktionen und Energiebilanzen an. So erhalten wir ein umfassendes Profil, auf dem wir dann das Training aufbauen können.


Interessiert es dich ebenfalls zu erfahren, wie dein Körper arbeitet? Dann komm' uns im Labor besuchen, wir freuen uns auf dich!


Herzlich,

Patrick Benz

Fabian Kremser