• Fabian Kremser

LabTalk 3: Ökonomie

Nach einer kurzen Pause, in der wir die Bühne für unsere Athletinnen und Athleten frei machten, widmen wir uns wieder unserem "LabTalk". Heute wollen wir uns über ein Thema unterhalten, das unserer Meinung nach noch etwas zu wenig Beachtung findet: die Ökonomie. Wir konzentrieren uns hier der Einfachheit halber auf die Disziplin Laufen.

"Also… du meinst Lauftechnik und so?"


Nein, nicht nur. Oder besser: nein! Tatsächlich hat die Lauftechnik zwar einen Einfluss auf die Ökonomie, letzten Endes ist sie aber nicht der einzige Faktor, der hier massgebend ist. Doch bevor wir uns in Details verlieren: was ist denn genau die Ökonomie?


Sprechen wir beim Laufen von Ökonomie, dann ist damit gemeint, wie viel Energie wir für welche Leistung benötigen. Das wurde und wird in den meisten Fällen direkt auf den Stoffwechsel bezogen und so dargestellt, dass man bei möglichst niedrigem Verbrauch von Kohlenhydraten also effizient und eben ökonomisch unterwegs ist. Darüber haben wir im Ansatz schon vor zwei Wochen geschrieben.

Für die Ökonomie nehmen wir jedoch nochmals einen Messwert hinzu, der von den Mengen der verbrauchten Nährstoffe erst einmal unabhängig ist: dem Verbrauch von Sauerstoff.


Sauerstoff nehmen wir bei der Atmung ein und je mehr wir davon aktiv aufnehmen können, desto grösser unser Leistungspotential. Oder?


Nicht nur, denn hier wird es sofort komplex. Damit der Sauerstoff auch dort ankommt, wo er gebraucht wird, ist es notwendig, dass unser Herz in der Lage ist, ihn an den entsprechenden Ort und in den entsprechenden Mengen zu liefern. Das kann über zwei reaktive Mechanismen geschehen: Entweder die Schlagrate, also die Herzfrequenz, oder das Schlagvolumen, also die Menge an Sauerstoff, die pro Schlag bewegt wird. Beide sind begrenzt: die Schlagrate durch unsere maximale Herzfrequenz, das Volumen durch die Grösse des Herzmuskels und die Kraft der Schlagbewegung.


Doch das ist nur der direkte, mechanische Aspekt des Ganzen. Es geht noch weiter: Wie schnell oder stark unser Herz arbeiten muss, ist davon abhängig, wie viel Sauerstoff wir in welchen Muskeln verbrauchen. Kurz zusammengefasst geht es bei der Ökonomie also darum, den Körper so zu trainieren, dass er für die jeweilige Leistung so wenig Sauerstoff wie möglich benötigt.


Da wir den Sauerstoff aber nicht nur für die direkte Vorwärtsbewegung benötigen, sondern auch für eine ganze Reihe von anderen Funktionen, ist die Lauftechnik nur ein Bruchteil dessen, was eine gute Ökonomie ausmacht. Es spielen unter anderem eine Rolle:


  • Viel viele Muskeln wir für die Bewegung brauchen, sowohl aktiv als auch passiv

  • Wie gut die Muskeln durchblutet werden (Elastizität der Gefässe, Gesundheit der Gefässe und Arbeit des Herzens)

  • Wie diese Muskeln angesteuert werden (also die Koordination)

  • Wie diese Muskeln arbeiten können (ob sie ihren ganzen Bewegungsradius ausnutzen), sprich, wie beweglich wir sind. Das führt direkt zu:

  • Wie es um unsere Gelenke steht

  • Wie unsere Sehnen und Bänder beschaffen sind (Elastizität, Stabilität)


Da jeder einzelne dieser Punkte sofort wieder von mehr als einem Faktor beeinfluss wird, ergibt sich daraus ein ganzer Wald von Möglichkeiten, das Training auf die Ökonomie auszulegen.


Nur das Training?


Nein, denn gerade Dinge wie die Durchblutung und die Qualität unserer Sehnen und Bänder lassen sich beispielsweise auch über die Ernährung positiv beeinflussen. Sich richtig zu ernähren kann also schnell machen!


Aber auch die Arbeit an Dingen wie der Beweglichkeit und der Koordination können nachweislich wahre Wunder wirken. Das Stretching vernachlässigt man also auf eigene Gefahr… Auch das Training nach Herzfrequenz, das mittlerweile sogar von einigen Trainern als unnötig abgetan wird, kann hier helfen. Das Herz ist ein Muskel, den man trainieren kann und arbeitet er besser…


In unseren Diagnostiken beziehen wir die Ökonomie als Standard mit in die Auswertungen. Falls ihr also wissen möchtet, wie ihr nicht nur durch hartes, sondern eben smartes Training stärker und schneller werden könnt, freuen wir uns darauf, euch im Labor willkommen zu heissen. Auch bei der Ernährung können wir euch weiterhelfen.


…be ready to surprise yourself!


Herzlich,


Patrick Benz

Fabian Kremser