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  • Fabian Kremser

Zum Schluss die Kür!

Oder: Der Stellenwert des Laufens im Triathlon


Arbeitet man als Trainerin oder Coach im Ausdauersport, spezifisch im Triathlon (so wie wir das tun), wird man früher oder später von seinen Athletinnen oder Athleten den folgenden Ausspruch hören: «Kein Problem, das ist ja dann nur noch ins Ziel laufen!»


Nur.


Es spielt an sich keine Rolle ob man sich beim Volkstriathlon mit einem abschliessenden Lauf über 5 Kilometer versucht oder ob es nach 180 Kilometern auf dem Rad noch einen ganzen Marathon zu absolvieren gilt: «Nur» wird dem Laufen im Triathlon nicht gerecht und es sind schon viele an dieser letzten Disziplin gescheitert. Warum ist das so? Warum wird das Laufen im Triathlon so gerne falsch eingeschätzt oder scheinbar nicht ernst genommen? Dem wollen wir heute auf den Grund gehen.

Pauschal lässt sich sagen: Mit Ausnahme jener, die nicht über zwei funktionierende Beine verfügen oder unter eine Krankheit leiden, die ihre Verwendung unmöglich macht, können wir als Spezies Mensch sowohl gehen als auch laufen. Es ist unsere natürlichste Art der Fortbewegung, auch wenn die derzeit immer weiter verbreiteten Elektroscooter in jeder zweiten Stadt bald etwas anderes vermuten lassen.


Der Homo Sapiens ist dafür gemacht zu stehen, zu gehen und zu laufen und entsprechend nehmen wir die dritte Disziplin des Triathlons auch gerne als etwas wahr, das relativ einfach zu bewerkstelligen ist. Nicht selten sind es Läuferinnen und Läufer, die zum Triathlon finden und was sie da mitbringen ist oft etwas das für jene, welche direkt in den modernen Dreikampf eingestiegen sind, unerreichbar erscheint. Doch auch diejenigen, welche den Triathlon ohne Umwege für sich entdecken, beginnen meistens damit, regelmässig zu laufen. Dort merken sie dann, dass rennen / joggen / laufen «eigentlich gar nicht so schlimm ist». Sie machen schnell Fortschritte und laufen nach nur ein paar Monaten bereits Zeiten, die ihnen zuvor alles andere als realistisch erschienen. Daraus entsteht dann nicht selten der Eindruck, dass das Laufen immer so leicht von der Hand gehen wird wie in den ersten Zeiten des Trainings, was nicht selten dazu führt, dass man beginnt, es von einer etwas weniger ernsten Seite zu sehen.


Die Ernüchterung kommt meist mit dem ersten Wettkampf. Zwar wird man zuvor das eine oder andere Koppeltraining absolviert haben, also eine Einheit, in der zuerst Rad gefahren und dann gelaufen wurde, in der man einen Eindruck davon bekommen konnte, dass sich das Laufen direkt nach dem Rad ein klein wenig anders anfühlen dürfte als gewohnt. Was jedoch gerne ausser Acht gelassen wird ist die Tatsache, dass man im Rennen letzten Endes immer etwas intensiver leistet als im Training.


Egal, wie gut man seine Einheiten taktet, paced und absolviert: man wird nie so sehr ans Limit gehen wie in einem Wettkampf, schon gar nicht wie auf einer kurzen Distanz. Das ist auch nahezu unmöglich! An einer öffentlichen Veranstaltung trifft man auf andere Athletinnen und Athleten, das Adrenalin schiesst hoch, man wächst über sich hinaus. Und während all’ das zu einem grossen Teil rein emotionaler Natur ist, so hat es doch einen riesigen Einfluss darauf, was am Ende in unserem Körper geschieht.


Im Rennen können wir uns bereits im Wasser und dann auf dem Rad weit über die angeblichen Zahlen pushen, die uns laut unseres Trainings definieren und wenn wir das realisieren, wird in uns jener menschliche Urgeist aktiv, der George Mallory zu seiner berühmten Aussage «because it’s there!» verleitete.


Was wir dabei jedoch in epischem Ausmass vergessen ist, dass wir dabei unsere gesamte Muskulatur auf eine Art und Weise be- und überbeanspruchen, wie wir es zuvor selten getan haben. Steigen wir dann vom Rad, hält der Rausch der Geschwindigkeit manchmal durchaus noch an, bis wir die Laufschuhe angezogen haben, doch spätestens nach ein paar hundert Metern auf der letzten Strecke merken wir: da stimmt was nicht…


«Wie auf rohen Eiern», so wird das Laufen nach dem Rad fahren gerne beschrieben. «Als wäre der Boden aus Sirup». «Als würde ich im Teer stecken bleiben».


Kurz: man ist gerne einmal schwerfällig und alles andere als gut koordiniert, nachdem man sich auf dem Rad verausgabt hat.


Natürlich kommen dann noch eine ganze Palette an verschiedenen Aspekten dazu, die hier mitspielen. Der Stoffwechsel und die Energiebereitstellung ist einer davon, die durch starke Belastungen abnehmende, neurologische Kapazität ein weiterer. Was jedoch über allem schwebt ist die Tatsache, dass man sich oft fühlt, als wären die Beine zu Fremdkörpern geworden, die für jeden Schritt eine schriftliche Einladung brauchen.


Wir können mit gutem Gewissen sagen: der Triathlon wird beim Laufen entschieden!


Mehr als einmal durften wir das zum Beispiel bei den Ironman-Weltmeisterschaften erleben. Es kam in den letzten Jahren immer wieder vor, dass eine Athletin oder ein Athlet nach einem veritablen Husarenritt auf dem Fahrrad mit einem vermeintlich riesigen Zeitpolster auf den abschliessenden Marathon wechselte, nur, um dann nach 10, 20 oder auch 30 Kilometern von jenen eingeholt zu werden, die zwar nicht ganz so energisch in die Pedale gedrückt hatten, jedoch beim Laufen über eine Basis und eine Resilienz verfügten und damit eine Geschwindigkeit laufen konnten, welche weit über jener der Spitze war.


Wie kann man dem entgegenwirken oder aber es sogar vermeiden?


Als erstes sollte man sich ganz klar und nüchtern bewusst machen, dass es zwar eine tolle Sache ist, auf dem Rad einen sehr hohen Leistungswert über mehrere Stunden erbringen zu können, dass dies jedoch nicht viel wert ist, wenn dabei dann die Laufperformance leidet.


Einmal mehr: der Triathlon wird beim Laufen entschieden!


…und wenn die abschliessende Disziplin das Zünglein an der Waage ist… sollte man ihr dann nicht besondere Aufmerksamkeit geben?


Die gute Nachricht ist, dass dies nicht nur über mehr und härteres Training geht, wie es bei den meisten gerne einmal – falscher Weise – angenommen wird.


Eine gute Methode, sich auf einen guten Abschlusslauf vorzubereiten ist zum Beispiel, die eigene Koordination zu schulen, die Lauftechnik zu verbessern und zu lernen, den Körper zu kontrollieren. Hier kann man auch von entsprechenden Einheiten im Wasser oder auf dem Rad profitieren.


Weiter ist eine gute, stabile und vor allem funktionelle Rumpfmuskulatur ein riesiger Vorteil. Warum also nicht einmal eine Laufeinheit durch ein gutes Core-Training ersetzen?


Auch die reine, muskuläre Kraft spielt eine grosse Rolle und auch hier gibt es genug Methoden und Einheiten, die aktiv dabei helfen können, das Laufen dauerhaft zu einem Genuss zu machen. Auch, nachdem man sich auf dem Rad verausgabt hat!


Und last but not least ist es beim Laufen wie in keiner anderen Disziplin unbedingt notwendig, eine gute, solide Basis aufzubauen, damit man im Rennen die erwünschten Leistungen erbringen kann.


In den kommenden Tagen haben wir auf unseren Social Media-Accounts und in unserer neuen Download-Sektion einige Inputs für euch, wie ihr das angehen könnt! Bleibt also dran!


Weiterhin gute Gesundheit und gutes Training wünschen


Patrick

Fabian


Tricademy - School of Movement

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