• Fabian Kremser

Lauftechnik

Ist Laufen eine technische Sportart? Man sollte meinen, dass es in der Natur des Menschen liegt, zu laufen. Warum tun sich viele dann so schwer damit?

Laufen ist in der Tat eine einfache Sportart, zumindest in der Theorie: man zieht sich ein paar Schuhe an, geht nach draussen und läuft los. Man findet seinen Flow und kann sich für einige Zeit ganz im Rhythmus der eigenen Schritte und der Atmung verlieren.

Einige laufen einmal pro Woche, andere jeden Tag. Einige laufen 5 Kilometer an 7 Tagen, andere 150. Einige tanken beim Laufen Energie, andere… haben regelmässig das Gefühl einer Nahtoderfahrung, sobald sie sich in Bewegung setzen. Woran mag das liegen?


Tatsächlich machen sich die wenigsten zu Beginn Gedanken darüber, ob sie an ihrer Lauftechnik etwas ändern oder verbessern könnten, wenn sie den Sport für sich entdecken. Und warum auch? Eigentlich ist Laufen nur ein schnelleres Gehen, und das können die meisten schon, seit sie ein Kleinkind waren. Warum Probleme suchen, wenn keine da sind?


Das sind berechtigte Einwände und auch in unseren Coachings arbeiten wir nicht grundsätzlich sofort an der Technik, wenn Neu- und Quereinsteiger diesen tollen Sport für sich zu entdecken beginnen. Stattdessen ist uns viel wichtiger, was die neuen Läuferinnen und Läufer am Anfang wahrnehmen: ist es anstrengend? Treten Schmerzen auf? Gibt es Atembeschwerden? Oder läuft von Anfang an alles ruhig, rhythmisch und fliessend?


Erst, wenn wir einige Erfahrungswerte haben, sehen wir uns die Bewegung an sich an. Das ist auch der Moment, in dem wir uns über Lauftechnik unterhalten und auch darüber, was dieser Begriff denn eigentlich bezeichnet.


Eines lässt sich mit Gewissheit sagen: es gibt da draussen unzählige "Techniken", die man erlernen kann, um schneller zu laufen. Das ist wohl in jeder Sportart, ja, auf jedem einzelnen Gebiet so, das ein Mindestmass an physischer Koordination erfordert: irgendwann entdeckt jemand eine neue Art, eine "traditionelle" Bewegung auszuführen und es entsteht eine ganze Bewegung daraus. Vor- oder Barfusslaufen sind in diesem Zusammenhang nur zwei der prominentesten, die immer wieder einmal neue Trends erleben.


Doch was ist denn die "Lauftechnik" überhaupt?


Kurz erklärt kann man sagen, dass sich der Begriff der Technik in erster Linie auf die Koordination der Bewegung im Raum bezieht, in zweiter Instanz auf die Kraftübertragung für den Vorantrieb. Kinematik und Kinetik also, um es ein wenig schlauer klingen zu lassen.


Und genau da wird es sofort etwas… kompliziert? Denn: was dem einen passt, muss für die andere nicht zwingend die beste Lösung sein. Die Art und Weise, wie wir uns am besten bewegen sollten, ist komplett individuell und von sehr vielen Faktoren abhängig.


Da sind zum einen mal die Faktoren, auf die wir nur bedingt einen Einfluss haben: unsere Körpermasse. Die Länge unserer Extremitäten, die Form unserer Beckenknochen, der Verlauf unserer Wirbelsäule… auf der Ebene der Knochen, Sehnen, Bänder und Gelenke sind wir hier unseren jeweiligen, individuellen "Bauplänen" unterworfen.

Erst dann kommen die Muskeln: wie flexibel, wie elastisch sie sind, welche Spannung sie gleichzeitig haben und wie sie die Bewegung und die Beweglichkeit unterstützen oder eben hemmen.

Das alles wird von unseren Nerven gesteuert: unsere Propriozeption, der Gleichgewichtssinn, das Bewusstsein, die Koordination.


Lauftechnik umfasst all dies. Und "gute" Lauftechnik zielt individuell auf die jeweiligen Systeme ab, die noch Verbesserungspotential haben.


Das heisst, dass es vielleicht nicht unbedingt das klassische "Lauf-ABC" sein muss, um an der Technik zu arbeiten. Es kann auch gut sein, dass einem eine gezielte Schulung der Bewegungsqualität hilft, besser und schneller zu laufen. Oder dass man an der Balance, an der Haltung arbeiten kann, um ausdauernder und effizienter zu werden.


Mit dem richtigen und spezifischen Lauftechniktraining lassen sich Bewegungsabläufe optimieren und Bewegungsmuster neu aufbauen, vertiefen. Gute Lauftechnik wirkt präventiv, beugt aktiv Verletzungen vor. Gute Lauftechnik hilft, die Muskeln besser einzusetzen und sie auf den Aktionslinien zu bewegen, für die sie ursprünglich gemacht sind. Gute Lauftechnik hilft bei der Atmung, beim Stoffwechsel, bei der Erholung und beim Tempo. Gute Lauftechnik schafft Flow. Gute Lauftechnik schafft Leichtigkeit.


Zum richtigen Zeitpunkt arbeiten wir mit unseren Athletinnen und Athleten an genau diesen Dingen.


Wenn auch du gerne mehr über besseres Laufen lernen willst, freuen wir uns, von dir zu hören!


Herzlich,

Patrick Benz

Fabian Kremser