• Fabian Kremser

Leistungstest vs- Diagnostik

Sprechen wir von Leistungsdiagnostik ist es unumgänglich, dass wir und über den Kern der Sache unterhalten. Warum braucht es das überhaupt?

Und: für wen könnte so eine Diagnostik von Interesse sein? Reicht nicht auch ein einfacher Feldtest aus, den man zuhause ausführen kann, gerne auch von der eigenen Sportuhr angeleitet und ebenda ausgewertet? Muss es unbedingt ein Labor sein?


Diese Fragen sind wichtig und wir wollen heute versuchen, sie so objektiv als möglich zu beantworten. Deshalb müssen wir zuerst noch eine weitere vorausschicken: gibt es denn überhaupt einen Unterschied zwischen Leistungstest und -Diagnostik?


Je, den gibt es und er ist tatsächlich recht schnell erklärt: ein LeistungsTEST kann uns sagen, WAS ein Körper zu leisten vermag, zumindest in dem Rahmen, in dem getestet wird. Mit Feldtests lassen sich diverse Leistungsfortschritte erkennen, die Reaktionen von Herzfrequenz und anderen, physisch einfach messbaren Parametern messen und mögliche Zusammenhänge darstellen. Wir können sie nutzen, um Trainingsbereiche zu definieren und natürlich auch, um dann das Training daran auszurichten. Kurz: ein Leistungstest ist eine durchaus gute und auch hin und wieder sinnvolle Methode um ohne besonderen Aufwand zu überprüfen, ob man im Training oder auch allgemein auf dem richtigen Weg ist.


Und was macht eine Diagnostik, was ein Test nicht kann?


Eine Diagnostik zeigt uns, einfach ausgedrückt, WIE ein Körper die entsprechenden Leistungen erbringt. Und das ist letzten Endes, wo die wirklich wichtigen Faktoren für den Fortschritt verborgen liegen.


Oft und lange, teils noch heute, wurde der Begriff der Leistungsdiagnostik damit gleichgesetzt, durch die Messung von angesammeltem Laktat im Blut eine bestimmte Schwelle zu ermitteln, anhand welcher dann die Trainingsbereiche definiert wurden. Werden. Wie gesagt ist diese Methode noch immer weit verbreitet. Sie birgt nur einige sehr grosse Probleme, allen voran die Tatsache, dass es keine allgemein gültige Methode gibt, diese Schwellen zu bestimmen. Gemeinsam haben sie, dass die das angesammelte Laktat als ein Abfallprodukt des Stoffwechsels missverstehen und bei einer gewissen Menge behaupten, dass der Körper nun in den Anaeroben Stoffwechsel übergeht.

Das ist nicht grundlegend falsch. Richtig ist es jedoch deshalb auch nicht. Der einzige Unterschied zu einem LeistungsTEST ist bei dieser Form der Diagnostik letztendlich, dass die Schwelle nicht aufgrund einer gebrachten Leistung, sondern anhand einer physischen Reaktion des Körpers AUF eine erbrachte Leistung festgelegt wird. Was zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht klar ist: welche Schwelle wird überhaupt ermittelt?


Bei Feldtests wird meistens die sogenannte Funktionelle Schwelle gesucht und bestimmt. Deren anerkannte Definition liest sich wie folgt:


"Die Funktionelle Schwelle, kurz FTP, definiert eine Leistung oder Geschwindigkeit, die eine Athletin / ein Athlet für ungefähr eine Stunde maximal aufrecht erhalten kann, ohne dabei signifikant einzubrechen."


Nimmt man diesen Wert als das, was er tatsächlich darstellt, nämlich ein Leistungsmaximum über eine gewisse Zeit, so kann man mit den so ermittelten Werten durchaus arbeiten. Was jedoch zu keinem Zeitpunkt klar ist, sind die tatsächlichen Funktionen des Körpers bei dieser Schwelle.

Es ist keinesfalls gesagt, dass sie tatsächlich den Übergang vom Aeroben zum Anaeroben Stoffwechsel kennzeichnet. Wir haben Athletinnen und Athleten gesehen, bei denen die Funktionelle Schwelle noch absolut im Aeroben Stoffwechsel lag und andere, bei denen von Sauerstoff keine Rede mehr sein konnte an ihrem Stundenmaximum.

Das Gleiche liess sich bei angesammeltem Laktat beobachten: auch hier konnte man in keinem Fall mit Sicherheit davon ausgehen, dass der ermittelte Schwellenwert tatsächlich etwas mit Aerobem oder Anaerobem Stoffwechsel zu tun hatte.


Aus diesem Grund war für uns klar, dass wir auf eine Methode setzen würden, bei welcher die körperlichen Reaktionen und Funktionen in Echtzeit gemessen werden: der Spirometrie.


Die Spirometrie arbeitet auf der Basis der Atemgasanalyse. Mit ihr lassen sich nicht nur Dinge wie das Atemvolumen und die Frequenz bestimmen, sondern auch sehr genau messen, wie die Energiebilanz einer Athletin oder eines Athleten sowohl in Ruhe als auch unter Belastung gestaltet ist. Wie viel Energie in kcal wird bei welcher Leistung benötigt? Wieviel davon wird aus Fett, wie viel aus Kohlenhydraten genommen? Wie viel Sauerstoff kann man maximal aufnehmen? Wo können wir den Bedarf nicht mehr decken, wo gerät die Aufnahme von O2 und die Abgabe von Stickstoff, CO2, ins Ungleichgewicht? Wo arbeitet der Körper WIRKLICH Anaerob? Und: wie viel Sauerstoff braucht man bei welcher Intensität? Der letzte Punkt wird vor allem beim Laufen immer wichtiger, dort sprechen wir in diesem Zusammenhang von messbarer Laufökonomie.


So gibt uns eine Diagnostik natürlich Auskunft darüber, WAS ein Körper kann. Wir sehen jedoch auch ganz klar, WIE er es kann. Wir sehen, wo die neuralgischen, metabolischen Funktionen angesiedelt sind, können den Leistungscharakter der Probandinnen und Probanden bestimmen und damit das Training sehr genau so steuern, dass die notwendigen Inputs gezielt gesetzt werden.


Und Feldtests?


Mit dem ganzen Wissen aus der Diagnostik im Hintergrund können wir sie sehr gezielt einsetzen um wie eingangs erwähnt zu überprüfen, ob die richtigen Trainingsreize gesetzt wurden. Sie werden damit zu einem enorm wertvollen und auch objektiven Mittel zum Zweck.


Darum sind wir der Ansicht, dass eine Diagnostik im Labor durchaus einen klaren Mehrwert darstellt und im Vergleich zu reinen Feldtests eine wesentlich objektivere Methode darstellt, die Leistungsfähigkeit eines Körpers tatsächlich zu messen.


Doch auch im Bereich der Gesundheit ist die Diagnostik von grossem Wert. Uns ist absolut klar, dass nicht alle in der Lage sind, beispielsweise auf einem Laufband eine halbe Stunde zu leisten. Das ist auch gar nicht nötig, denn mit unseren Geräten sind wir auch in der Lage, bei ganz anderen Formen der Bewegung und auch in Ruhe zu messen, wie der Körper funktioniert und wie man ihn unterstützen kann. Schon allein beim Thema des Gewichtsmanagements kann es ein tatsächlicher Augenöffner sein, zuerst einmal die Zusammensetzung des Körpers selbst zu sehen und dies dann mit den grundlegenden Stoffwechselfunktionen abzugleichen.


All das können wir ihnen in unserem neuen Labor bieten. Überraschen sie sich selbst!


Herzlich,


Patrick Benz

Fabian Kremser