• Fabian Kremser

Mit der Zeit gesund

In den letzten Monaten haben wir uns einige Male darüber unterhalten, was Sport und Gesundheit miteinander zu tun haben.

Eins steht fest: wer sich regelmässig an der frischen Luft bewegt, trägt damit aktiv zu seiner Gesundheit bei. Doch wo ist die Grenze zwischen "Bewegung" und "Training"? Wo diejenige zwischen "Aufbau" und "Raubbau"? Zum neuen Jahr wollen wir uns dazu einige Gedanken machen.

Auch folgenden Satz haben wir bereits mehr als einmal in die Welt geschickt:


"Viele ambitionierte Athletinnen und Athleten sind nicht etwa gesund, weil sie viel trainieren

- sondern trotzdem".


Gerade im Winter erleben wir es immer wieder, dass sich unser Körper vermeintlich gegen und stellt. Das merken wir vor allem im Laufen, wie wir in unserem letzten Artikel etwas genauer angesehen haben. Doch auch in anderen Bereichen stossen viele in der dunklen Jahreszeit an ihre Grenzen, trotz Sport, trotz frischer Luft.


Aus Sicht eines Coaches ist das nicht verwunderlich: wir können absolut verstehen, dass man als Athletin / Athlet regelmässigen Fortschritt erzielen möchte. Doch an dieser Stelle können wir eine Frage in den Raum werfen: gibt es mehr als eine Form von Erfolg?


Im Sport werten wir unseren Fortschritt nach einem einfachen Prinzip: Höher, schneller, weiter. Und genau diese Anforderungen stellen wir an unseren Körper: wir wollen mit jedem Mal, das wir uns bewegen sehen, wie wir neue Bestzeiten liefern. Wenn das nicht mehr funktioniert, verzweifeln wir beinahe, denn offenbar gelingt es rund um uns herum allen anderen trotzdem. Was ist bei uns falsch? Was machen wir nicht richtig?


Auch wenn es nicht sonderlich objektiv ist, möchten wir hier mit einem kleinen Beispiel arbeiten. Stellt euch vor, ihr seid im Besitz eines absoluten Super-Autos. Irgendwas von der Sorte, für die ein Waffenschein passender wäre als eine Fahrerlaubnis. Stellt euch nun ebenfalls vor, dass dieser Wagen euer Ein und Alles ist. Wie würdet ihr ihn behandeln?


Da wir uns mitten in einer Metapher befinden, dürfte klar sein, in welche Richtung das geht: man müsste in so einem Fall kaum darüber diskutieren, dass das Auto einem regelmässigen Service unterzogen, nur mit dem besten Benzin betankt, fachgerecht geparkt und überdacht wäre und nur dann so wirklich über die Pusten gejagt würde, wenn das Wetter gut, die Strassen trocken und das Beste vom besten Öl erst gerade gewechselt worden wäre.


Auch wäre uns sehr wohl bewusst, dass dieses Auto bei klirrender Kälte mehr Abnutzung erfahren würde als bei optimalen Temperaturen, dass der Verbrauch höher wäre und der Verschleiss an Reifen und Fahrgestell massiver.


Und es geht noch weiter: Es besteht in diesem Beispiel eine reelle Chance, dass jenes Auto regelmässig kontrolliert und geprüft würde, wenn es weiterhin seine Strassenzulassung behalten soll. All das wäre uns bewusst und wir könnten es regelmässig im Handbuch nachlesen.

Wie oft seht ihr in EUREM Handbuch nach?


Es gibt ein sehr zutreffendes Zitat in diesem Zusammenhang:


"Wenn du dir nicht freiwillig Zeit für deine Gesundheit nimmst, wirst du irgendwann gezwungen, dir Zeit für deine Krankheit zu nehmen".


Der Superwagen steht natürlich für unseren Körper. Und tief drin, irgendwo unter vielen Schichten von Ambitionen, Zielen und auch etwas Ego wissen wir genau: auch der hat eine ideale Betriebstemperatur. Er braucht zudem Licht, Sonnenschein, andere Menschen. Ruhe, Gemütlichkeit, emotionalen Trost. Er braucht Schlaf, Wärme, Geborgenheit. Gutes Essen (für Körper UND Geist), Bewegung, Erholung.


Auch wenn wir uns dessen sehr selten bewusst sind, verlangt uns der Winter immer wieder einiges ab. Was Kälte, Dunkelheit und Nebel nur schon auf hormoneller Ebene in uns ausläsen können, gleicht einem Krieg in den Zellen. Kommen dann noch Dinge wie Isolation, Angst, persönlicher Kummer und emotionaler Stress hinzu, ist es kaum verwunderlich, wenn wir zeitweise im wahrsten Sinn des Wortes keinen Fuss vor den anderen bekommen.


Dem können wir entgegenwirken, indem wir ein paar ganz einfachen Dingen Einlass in unseren Alltag geben:


Sprecht darüber. Wenn ihr nicht mehr wisst, ob ihr im Training vorwärts kommt, tauscht euch aus, holt euch die Informationen, die ihr braucht. Wir legen hier allen unseren Athletinnen und Athleten nahe, das Gespräch mit den Coaches zu suchen. Oft kann es nur schon helfen zu wissen, dass man nicht ganz alleine dasteht mit diesen Problemen.


Seid gut zu euch. Natürlich sind wir Ausdauersportlerinnen und -Sportler die besten und härtesten überhaupt, doch ist das kein Grund, den eigenen Körper auf eine Art und Weise zu behandeln, für die ein Gebrauchtwagenhändler hinter Gittern landen würde. Und glaubt uns: da haben wir schon ziemlich krasse Dinge gesehen.


Hört auf euch selbst. Wenn wir ehrlich sind: unser Körper schreit selten danach, bei Minusgraden NOCHMALS einen Intervall mehr am Limit zu laufen. Tut das, was nötig ist, jedoch nicht nur im Training. Nach der Rennbahn kommt der Service, oder?


Habt Geduld. Das ist vielleicht die grösste Aufgabe, denn uns allen kann es selten schnell genug gehen. Haltet euch stattdessen vor Augen, was ihr alles geleistet habt. Auch hier sind wir immer wieder darauf aus, unseren Athletinnen und Athleten zu zeigen, dass sie genug tun und sich auf dem richtigen Weg befinden.


Der Frühling wird kommen und mit ihm wird es bunter, wärmer und heller. Bis dahin: nehmen wir uns die Zeit, die wir brauchen!


Herzlich,


Patrick Benz

Fabian Kremser