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Teil IV: Ich schwimme, ich schwamm...

08.06.2017

Leistungstests und Leistungsbereiche – dies sind zwei essentielle Bestandteile der Trainingssteuerung, ob man nun mit einem Coach oder auf eigene Faust trainiert. Über deren Definition und die Möglichkeiten zur Erhebung entsprechender Daten habe ich in meinen letzten Artikeln geschrieben. Heute soll es nun darum gehen, was man mit diesen Daten anstellen kann – oder eben wie man sein Training anhand der Bereiche steuern kann.

 

Es gibt unterdessen eine unendliche Bandbreite an Equipment, das längstens seinen Weg vom Profisport in die Welt der Amateure und Breitensportler gefunden hat. Angeführt wird diese Liste ganz klar von den Leistungsmessern, welche man an immer mehr Rädern vorfindet. Es gibt jedoch einen signifikanten Unterschied zwischen dem Besitz eines Wattmessgerätes und dem effektiven Einsatz desselben.

Auch ist das Leistungsgesteuerte Training bis anhin dem Training auf dem Fahrrad vorbehalten. Es machen zwar derzeit erste Geräte die Runde, welche ein Watt-orientiertes Training auch im Laufen versprechen, doch wie objektiv dies tatsächlich ist und was diese Geräte tatsächlich können… nun, das wird ein Artikel für sich.

 

Beginnen möchte ich hier jedoch mit der Disziplin, in welcher die Trainingssteuerung gerade für Triathleten noch immer am schwierigsten ist: dem Schwimmen.

 

Viele sind sich – leider – einig: Triathlon ist cool, doch das Schwimmen… das ist und bleibt ein notwendiges Übel. Denn: es steht ausser Frage, dass die erste Disziplin des Dreikampfes gleichzeitig diejenige ist, die rein technisch am schwierigsten zu erlernen ist.

 

Natürlich bietet dieser Sachverhalt gleichzeitig eine grosse Plattform für unzählige von Techniken und Philosophien, anhand derer man trainieren kann, was die erste grosse Hürde darstellt: es gilt, aus diesem Wald von Angeboten jenes zu filtern, das für einen selbst am besten stimmt.

Sodann geht es im Training natürlich auch beim Schwimmen in erster Linie darum, schneller zu werden und natürlich effizienter. Nur: Was bedeutet Effizienz?

 

Ich zitiere hier den weltbekannten Bewegungspädagogen Eric Franklin: Effizienz bedeutet, dass eine Aktion oder Bewegung mit exakt so viel Energie ausgeführt wird, wie dafür nötig ist.

 

Hier stehen wir im Wasser vor einer grossen Herausforderung: effizient zu schwimmen bedeutet also, so wenig Energie wie möglich zu verpuffen. Dies rein koordinativ zu bewältigen kann wirklich schwer werden, denn das dafür nötige Körpergefühl muss oft mühsam erarbeitet werden. (Leicht ironisch kann man an dieser Stelle auch behaupten dass das in erster Linie daran liegen mag, dass die meisten Triathleten «Schmerzen» mit «Körpergefühl» verwechseln).

 

Auch misst man im Wasser in der Regel seine Herzfrequenz nicht. Garmin und auch Suunto offerieren zwar unterdessen Pulsgurte, welche während dem Schwimmen die Herzfrequenz aufzeichnen, doch da unter Wasser die Live-Übertragung nicht funktioniert, werden diese stets erst im Nachhinein auf die Uhr geladen – eine direkte Ausrichtung anhand des Pulses ist also nicht möglich.

 

Was bleibt, sind die zwei Werte Geschwindigkeit und subjektives Empfinden. Doch hier steht bereits die nächste Hürde: Um hier einen objektiven Wert zu erhalten, muss ein Athlet oder eine Athletin in der Lage sein, wirklich gleichmässig zu schwimmen. Und nicht nur das – auch das Wenden am Ende einer Bahn müsste theoretisch stets zumindest ansatzweise gleich schnell sein. Wäre dies gegeben, könnte man anhand eines Schwellentests theoretisch Pace-Bereiche für das Schwimmen erstellen, jedoch…

 

Als langjähriger Schwimmtrainer und Entwickler einer eigenen Trainingslehre vertrete ich die Meinung, dass auch Triathleten nicht nur einen Schwimmstil beherrschen sollte, sondern im Ansatz mit allen vier Lagen bewandt sein sollte. Meist wird im Crawl-Stil geschwommen, doch für ein umfassendes, effizientes Training sollte niemals nur in einem Stil trainiert werden. Sofort stellt sich also die Frage: Was ist mit den anderen drei Stilen? Theoretisch müsste ja dann auch für diese eine Schwelle bestimmt und Bereiche erhoben werden. Und sofort wird es mit der Auswertung schwer…

 

Leider gibt es auch im Wasser derzeit einen Trend, der mir etwas zu denken gibt. Da die meisten der Top-Sportuhren unterdessen auch eine Messung der Distanz und Pace im Pool ermöglichen oder zumindest versprechen, verlassen sich immer mehr Athletinnen und Athleten eher auf die Daten, die ihre Uhr ausspuckt denn auf ihr eigenes Körpergefühl, geschweige denn auf einen Trainer. Die Uhr sagt, dass man effizient schwimmt, also tut man dies auch – Ende der Diskussion.

 

Ich kann verstehen, dass es einen gewissen Reiz ausübt, in der Trainingssoftware seiner Wahl wirklich ALLE Daten sammeln zu können, einschliesslich des Schwimmens. Ich bin da keine Ausnahme und muss zugeben, dass es auch bei mir immer wieder mal dazu kommt, dass ich im Pool eine Uhr trage. Doch ebenfalls bei mir selbst stelle ich dann schnell einmal fest, dass das Training an sich in den Hintergrund rückt, ohne dass ich es merke – stattdessen rege ich mich auf, dass eine Länge nicht aufgezeichnet wurde, dass die Intervallfunktion nicht das tut, was sie sollte oder dass ich beim Beinschlagtraining oder einarmigen Schwimmen keine Daten aufzeichnen kann.

 

Die Reaktion auf diese Dinge ist oft die Gleiche: Zugunsten einer umfassenden Datenaufzeichnung wird gerne auf Sets verzichtet, welche die Uhren nicht erkennen, was die Qualität des Trainings sofort mindert.

Es bedarf einer grossen Portion innerer Ruhe, eine Uhr schlicht und einfach dazu zu benutzen, in etwa die geschwommene Distanz aufzuzeichnen und gleichzeitig ein Training durchzuführen, bei dem die Qualität im Vordergrund steht. Das ist durchaus möglich – doch für einige sicherlich eine Herausforderung. Mein Rat hier ist, das Training nicht nach der Uhr oder den von ihr ausgerechneten Bereichen zu richten, sondern stattdessen auf Variante nummer drei zu setzen: das subjektive Empfinden.

 

Man muss hier ergänzend erwähnen, dass die meisten Triathleten nicht den Wunsch haben, Topschwimmer zu sein. Es gilt praktisch immer, Privatleben, Beruf und den Sport unter einen Hut zu bringen und für viele sind zwei Schwimmeinheiten pro Woche das Maximum des Möglichen.

Ich empfehle hier meinen Athletinnen und Athleten, sich ihre Bereiche selbst einzuteilen, und zwar nach folgender Definition:

 

R = Regeneratives Schwimmen, ganz locker: Erholung zwischen den Sets, Ausschwimmen (Cool Down).

 

L = Locker, Grundlagentraining: die Intensität, die man jederzeit während ca. einer Stunde halten könnte.

 

M = Mittlere Intensität: Schwimmen mit Paddles (Kraft), Stehvermögen, Intervalle. Hier sollte in etwa das Renntempo für lange Distanzen angesiedelt sein, am oberen Ende jenes für Distanzen um die 1500m herum.

 

S = Schnell oder Schwellentempo: Die Intensität, die man auf maximal 1000m halten kann, ohne signifikant einzubrechen. Hier findet ausserdem Tempotraining statt.

 

Max = Maximale Intensität. Hier werden kurze Sprints trainiert, die bis 100m gehen.

 

Diese Bereiche kann man sich selbst nach eigenem Empfinden einteilen. Wichtig ist dabei in erster Linie, dass man sich selbst gegenüber ehrlich ist – dann bekommt man mit der Zeit auch ein gutes Gespür dafür, was dies in etwa auf eine 100m-Zeit bedeutet. So kann man sich nach und nach auch Bereiche erarbeiten, die Rücksicht auf Zeiten nehmen.

 

An dieser Stelle muss ich unterstreichen, dass diese Methode lediglich meine persönliche Empfehlung für Athletinnen und Athleten ist, für die das Schwimmen ein Teil des Triathlons und ihres Hobbies ist. Es handelt sich dabei weder um eine wissenschaftliche Methode noch um tatsächliche Leistungsdiagnostik.

Es ist und bleibt im Wasser jedoch schwierig, das Training wirklich effizient zu steuern, weshalb ich die Trainings meiner Athletinnen und Athleten grundsätzlich nach einem Leitfaden ausrichte, der die Technik in den Vordergrund stellt. An zweiter Stelle kommt die Basis, dann die Kraft und das Stehvermögen während das Tempo an sich denn eher später trainiert wird. Dies hat sich mehrfach bewährt und ich werde zu dem Thema zu einem späteren Zeitpunkt noch ausführlicher schreiben.

 

Als nächstes möchte ich mich den zu Beginn erwähnten Leistungsmessern auf dem Fahrrad zuwenden, da diese in Sachen Trainingssteuerung für viele wohl der «Game-Changer» sein können und auch sind, auf den sie gewartet haben!

 

Herzlich,

Fabian

 

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