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Teil V: Leistung, Leistung...

28.06.2017

Wie in meinem letzten Artikel bereits erwähnt sind Leistungsmesser an den Fahrrädern vieler Athletinnen und Athleten nicht mehr wegzudenken. Nachdem immer mehr Profis mit Powermetern von SRM, Power2Max, Quarx und wie sie alle heissen gesichtet wurden, machten sie auch im Breitensport mehr und mehr die Runde. Meist und auch heute jedoch in erster Linie, weil man so etwas offenbar braucht.

 

Während die ausgegebenen Daten – leider – oft auch in erster Linie dazu verwendet werden, sich mit anderen Athleten zu vergleichen, scheint es vielen schwer zu fallen, diese unglaublich vielseitigen Geräte auch entsprechend einzusetzen.

 

Was tut so ein Leistungsmesser eigentlich?

 

Oft entweder in den Kurbeln der Fahrräder untergebracht, manchmal auch in den Pedalen oder in der Nabe des Hinterrades, messen sie die aufgewandte Leistung, die der Athlet respektive die Athletin dazu benötigt, das Rad vorwärts zu bewegen. Ausgegeben wird diese Messung in der Einheit Watt, welche man auf dem Fahrradcomputer oder auch einfach auf den meisten Sportuhren direkt ansehen kann.

Der Schluss, dass eine höhere Wattzahl nun auch ein höheres Tempo bedeutet, ist leicht zu ziehen, doch darf man auch hier nicht vergessen, dass die Aussagen über die Leistungsfähigkeit eines Athleten, einmal mehr, komplett individuell sind.

 

So ist es zum Beispiel alles andere als gegeben, dass zwei Sportler, die beide mit sagen wir 200 Watt Leistung auf der Strasse fahren, auch gleich schnell sind, nicht einmal dann, wenn die Bedingungen absolut gleich sind. Denn: was hier wirklich wichtig ist, ist die tatsächliche, individuelle Leistung des Einzelnen, und dafür muss man ansehen, wie viele Watt pro Kilogramm Körpergewicht geleistet werden.

 

Wiegt Fahrer 1 zum Beispiel 75 Kilo beträgt bei 200 Watt Power-Output seine tatsächliche Leistung 2,66 Watt pro Kg Körpergewicht.

Fahrerin 2 hingegen wiegt nun beispielsweise 65 Kilo, was bedeutet, dass sie bei ebenfalls 200 Watt tatsächlich mit 3,07 Watt pro Kg Körpergewicht fährt, also bedeutend mehr leistet und somit sehr wahrscheinlich schneller ist als Fahrer 1.

 

Dieser kleine Ausflug soll allerdings in erster Linie eines klar stellen: Auch Wattwerte sind individuell, und ihr solltet euch nicht einschüchtern lassen, wenn euch jemand erzählt, dass er im Rennen mit einer gewissen Wattzahl unterwegs ist. Das sagt am Ende nichts über sein Tempo aus, und solange er nicht sicher sein kann, dass besagte Zahlen akkurat und der Leistungsmesser richtig kalibriert ist, auch nichts über seine Leistung.

 

Was jedoch ein wirklich grosser Vorteil eines Wattmessers ist, ist die Möglichkeit, um ein Vielfaches effizienter zu trainieren als zum Beispiel an der Herzfrequenz orientiert.

 

Schlagen wir den Bogen zurück zur Leistungsdiagnostik lässt sich hier sagen, dass dort die physischen Reaktionen auf eine bestimmte Leistung gemessen werden. Man kann mit so definierten Leistungsbereichen also klar aussagen, was bei welcher Leistung im Körper passiert und die entsprechenden Reaktionen so trainieren.

 

Nehmen wir einmal an, dass der sogenannte Grundlagenbereich, in dem der Körper seine Energie mehrheitlich aus Körperfett zieht, beim Athleten XY in einem Bereich von 130 bis 185 Watt liegt. Dies wurde anhand von Spirometrie gemessen – dort wurde auch festgestellt, dass der Prozentsatz der Energiegewinnung beim Einstieg in den Bereich bei z.B. 85% Aus Körperfett zu 15% aus Kohlenhydraten besteht, beim Ende des Bereiches noch zu 75% Fett im Vergleich zu 25% Kohlenhydrate.

 

Möchte der Athlet nun also seine Fettoxidation trainieren und seinen «Boden», also seine Grundlagenausdauer trainieren, muss er sich ideal in diesem Bereich bewegen.

Natürlich hat er anhand der Diagnostik auch einen Herzfrequenzbereich erhalten, welche bei dieser Leistung entsprechend beispielsweise von 122 bis 138 Schlägen pro Minute (bpm) reicht.

 

Während die physische Reaktion auf die erbrachte Leistung im Bereich der Atemgasanalyse ein objektiver Wert ist, der auch in den folgenden Trainings akkurat bleibt, stellt die Herzfrequenz an dieser Stelle nur einen Schnappschuss dar – schon am nächsten Tag kann es sein, dass Athlet XY nach einer Nacht, in der er schlecht geschlafen hat, gefolgt von einem stressigen Arbeitstag, einen Puls von vielleicht 125bpm hat, sobald er auch nur aufs Fahrrad steigt und mit vielleicht 90 Watt zu pedalen beginnt.

 

Dank eines Leistungsmessers ist er nun in der Lage, das geplante Grundlagentraining dennoch genau zu absolvieren, wo er hingegen nach der Herzfrequenz eine Belastung gefahren wäre, welche weit unter der anvisierten Zone liegt.

 

Dies soll jedoch bitte nicht so verstanden werden, dass die Herzfrequenz überhaupt nichts aussagt. Ich halte mein Athletinnen und Athleten immer dazu an, beide Metriken aufzuzeichnen, denn ergänzend lassen sie eine Menge über den Formstand und auch die aktuelle Ermüdung eines Sportlers aussagen.

Dass sich anhand eines Leistungsmessers jedoch effizienter trainieren lässt, merkt man vor allem dann, wenn die Witterung und / oder das Gelände sich verändern. Weht zum Beispiel eines Tages ein starker Wind oder fährt man im hügeligen Gelände, so wird man sehen, dass die anvisierten Wattzahlen oft schon auf dem Schirm erscheinen, wenn das Tempo weit unter dem liegt, was man vielleicht an einem sonnigen Tag in der Fläche fahren würde.

 

Während die Reaktion früher dann vielleicht so ausgefallen wäre, dass man sich im Nachhinein fragte, weshalb denn auf einmal die Beine so brannten und der Puls so in die Höhe schoss, wenn man seine gewohnten 26 km/h fuhr, liefert der Wattmesser hier die objektive Antwort: 26 km/h in der Fläche oder 26 km/h im Gegenwind sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

 

Dies bedeutet nun aber nicht, dass die persönliche Leistung durch die Decke geht, sobald man einen Wattmesser am Rad hat. Oft ist sogar das Gegenteil der Fall – die Haltung, dass mehr nun mal eben mehr ist, macht auch hier keinen Halt und oft katapultiert man sich dadurch mit den allerbesten Absichten ins Abseits – oder gar ins Übertraining.

 

Es braucht Zeit und Übung, um mit einem Leistungsmesser zu fahren. Ich kann zwar jedem Athleten und jeder Athletin, die ihr Training auf ein neues Level bringen möchte raten, noch vor einem Satz neuer Laufräder oder dergleichen in einen Leistungsmesser zu investieren. Gleichzeitig möchte ich jedoch auch dazu ermuntern, mit einem solchen Gerät zunächst einfach einmal weiter zu trainieren wie bisher und die neuen Daten einfach einmal zu sammeln. Nach einer gewissen Zeit wird man selbst feststellen, wie sich der Power-Output zum subjektiven Empfinden und zur Herzfrequenz verhält und man wird in der Lage sein, diverse Dinge gezielter anzusteuern. Ob man Intervalle besser miteinander vergleichen oder auch einfach nur viel regelmässiger fahren kann – befasst man sich mit den gesammelten Daten, wird man auch ohne Hilfe in der Lage sein, gewisse Trends zu erkennen. Ergänzt man dies dann nach einiger Zeit mit einer guten Leistungsdiagnostik, steht einem zielgerichteten und effizienten Training nichts mehr im Weg!

 

In diesem Sinne – frohes Pedalen!

 

Herzlich,

Fabian

 

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